Dienstag, 22. Dezember 2015

Walkampf auf Valdes

Kein Schreibfehler. Denn der Wahlkampf in Argentinien ist beendet, gewonnen hat die Opposition. Seit langem also keine Peronisten mehr an der Macht. Der generelle Optimismus ist verhalten – das Volk (zumindest der Teil, mit dem wir geplaudert haben...) sieht die gesamte politische Kaste als pauschal korrupt.
Das Fernsehen verkündet aber bereits erste Veränderungen durch die wirtschaftsliberale Präsidentschaft: 5 (in Worten: fünf) Wirtschaftsminister sollen das Wirtschaftswunder vollbringen - die Inflation eindämmen und langfristige Investitionen ankurbeln. Dafür werden die Preise für Fleisch und Brot gleich mal kräftig erhöht. 

So lächeln Sieger und dies sind die "unwiderstehlichen Peronisten" im Wahlkampf:

  

Nachtrag vom 19. Dezember:
Der argentinische Peso wurde nach den Beschränkungen durch die Regierung Kirchner nun wieder frei Verkäuflich gemacht. Das hat für uns Reisende zwei Folgen: der Schwarzmarkt "Mercado blu" verschwindet und der Peso erhält nun mit rund 30%-er Abwertung offizelle beinahe den Wechselkurs, den zuvor der Schwarzmarkt geboten hat. Nun kann man auch in Argentinien wieder mit Kreditkarte zahlen (und auf weitere Abwertung hoffen...) und muss nicht immer bare US-Dollar am Straßeneck wechseln...

Nun zum anderen Walkampf: Das Meer ist groß, auch wenn es „nur“ ein Bucht ist, in dem sich die Meeressäuger mit ihren Jungen herumtreiben. Und die Südkaperwale sind ja nicht klein. Aber wo sind sie bloß? Warten und hoffen, ist die Devise.


  

Haben wir Glück oder Pech? Tatsächlich sehen wir bereits am ersten Tag drei Wale, jeweils mit ihrem Jungen. Aber irgendwie ist es nicht so prickelnd, wenn sie auftauchen, eine Wasserfontäne hochgeht – und sie wieder verschwinden. Kein Springen, kein Flossen-aufs-Wasser-klatschen, keine Action (das machen fast nur die Jungen, früher im Jahr, leider). Dafür schwimmen sie am Steilabfall direkt vor unserem Nächtigungsplatz zum Greifen nahe, wir haben das Gefühl, die beiden beobachten uns. Ein ganz harter Typ will sogar rausschwimmen (brrrr!), aber die Wale tauchen immer dort auf, wo er nicht ist. Absicht?


Wir erfahren, aufgrund des El Nino Jahres sind die Wale schon früher als sonst üblich Richtung Antarktis unterwegs. Angeblich sind nur mehr 4 Mutter-Kind-Paare im Golf. Und wir haben drei davon gesehen. Eh ganz glücklich...


Zwei Dinge sind eigentlich viel interessanter als die Wale: einerseits der spektakuläre Sonnenuntergang – wer hat schon mal „Regenwurzen“ wie Säulen rot leuchten gesehen? - und andererseits der alte blaue Feuerwehr-Mercedes-Laster (stimmt, ist umlackiert...), mit dem Klaus und Gisi durch die Welt gondeln. Die beiden sind sehr nett und bieten uns bei abendlicher Kälte ein wunderbares Asyl und wir haben unendlich viel zu plaudern... 
Außerdem schaut der Autoexperte mal das Fahrwerk an, denn da gibt es immer wieder laute Kracher, wie Schläge Metall auf Metall. Seine Analyse: In den OME-Stoßdämpfern haben sich Metallplatten gelöst, die nun bei Beanspruchung sich verkeilen und wieder lösen. Nix problematisches, aber für schreckhafte Naturen gewöhnungsbedürftig. Gaby reißt es immer wieder :-)


Und dann hören wir vom anderen Walkampf: An anderen Ende des Valdes-Schutzgebietes zeigen sich immer wieder Killerwale, die sich Seelöwen direkt vom Strand holen. Das muss man gesehen haben! Sofern man das Glück hat, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein...
 
Also wieder Walkampf: Orca gegen Seelöwe, wir gegen die Wahrscheinlichkeit. Wegen eines schleichenden Plattfusses verschieben wir die Hundert-Kilometer-Pistenfahrt um einen Tag, Reifenwechsel und Wäsche waschen stattdessen. Schade – denn abends erfahren wir, dass eine siebenköpfige Killerwal-Familie sich tatsächlich ihr Mittagessen vom Strand geholt hat. Ohne uns.

Am folgenden Tag? Lange Fahrt, keine Wale. Dafür wieder ein so netter Abend...

Am übernächsten Tag? Ein Herr Killerwal – immerhin rund 8 Meter und mehrere Tonnen – schwimmt in der Brandung und sucht nach einem Mittagstisch. Einige Male scheint er mit dem Bauch im Sand zu streifen, ein Beinahe-Angriff, das war´s. Trotzdem: Beeindruckend, die riesige Rückenflosse in der brechenden Welle zu sehen. Die Seelöwen waren wohl auch beeindruckt und weit genug an Land gerobbt...



... und ein paar andere Tiere haben wir auf Valdes auch noch gesehen. Nimmt man den wunderbaren gratis Stellplatz Playa Puntales dazu, so ist dieses Naturschutzgebiet den Besuch auf jeden Fall wert, meinen wir.