Dienstag, 26. Januar 2016

20.000km – von Wien nach Feuerland

Traum erfüllt, in Ushuaia angekommen. Es war ein langer Fahrtag, Feuerland ist größer als gedacht. So gegen 23 Uhr fahren wir die letzte Rechtskurve – dann blitzen die Dächer der 100.000-Seelen-Stadt Ushuaia im fahlen Wolken-Spätabend-Sonnenlicht auf. 

Uns fehlt der Plan, wohin. Daher landen wir für die Nacht auf 
einem Damm mit Blick auf die bunte, aber sehr wild gewachsene Stadt mit der schroffen Bergkulisse dahinter. Als die Sonne für wenige Augenblicke aufblitzt, wird aus der trostlosen Siedlung am Ende der Welt eine bezaubernde Kleinstadt.


Man trifft sich wieder. Wie ein Trichter läuft Südamerika nach unten zusammen und so tröpfeln alle Reisenden früher (die meisten anderen) oder später (eben wir) in Ushuaia ein. Als wir am nächsten Tag in den Nationalpark fahren, sind am Gratis-Stellplatz die unterschiedlichsten Reisemobile versammelt. Es gibt ein paar freudige Begrüßungen – aber hier ist uns zuviel los. Am Campingplatz sind wir beinahe allein (Überraschung, es sollte doch Hochsaison sein??) - und zwischen 4 und 6 gibt es eine heiße Dusche. Am 3. Jänner darf man sich ja schon das erste Mal im Jahr duschen, oder?
Irgendwo zwischen lächerlich und nachvollziehbar ist die "Anglophobie" der Argentinier. Schließlich sind die britischen Falkland-Inseln (oder eben Malvinas) ein tiefer Stachel im großen Nationalstolz der Argentinier. Aber dass anno 2016 für britische Piraten die Einfahrt in den Hafen verboten ist, scheint doch etwas übertrieben...
 (Um auf die Malvinas zu gelangen, muss man übrigens entweder vom chilenischen Punta Arenas fliegen, mit der Militärmaschine via Ascencion von Oxford anreisen oder es mit einer privaten Yacht versuchen... Piraten wäre übrigens die Mitnahme von Passagieren nicht gestattet. Sagt Johnny Depp.)

 
Für uns geht´s noch ein Stückerl weiter... Die Ruta 3 endet nämlich nicht "schon" nach 3.060 km in Ushuaia (knapp südlich von Buenos Aires wird zu zählen begonnen). Um jeden Kilometer wird gekämpft, notfalls der Waldweg zur Bundesstraße erklärt.


Jetzt sind wir wirklich am Ende der Straße - in der Lapataia-Bucht endet nach 3079km die Ruta 3. Eigentlich haben wir nun unser Ziel erreicht, auch der Zeitplan wurde fast eingehalten, es gab keine Komplikationen technischer oder gesundheitlicher Natur (na ja, es hat sich eben alles wieder zum Guten gewendet, meine Plombe, Gabys Kreuz...). Ab nun werden wir einen langsameren Takt anschlagen - das verspreche ich meiner Frau. Diese hat ja angesichts meiner Energieüberschüsse und Photo-Ideen einiges auszuhalten - behauptet sie zumindest :-) 


Wie zu bemerken, haben wir Glück mit dem Wetter. Ich hoffe, wir fadisieren niemanden mit dem Wetter, aber das ist hier nicht nur Small Talk, sondern wirklich immer Thema...

Originell ist jedenfalls das südlichste Postamt der Welt – gelegen in einem Stelzenbau vor dem Strand – dort ist kein Nationalpark mehr, hier darf es sein... Der Betreiber hat die benachbarte Insel, auf der er lebt, schlichtweg für unabhängig erklärt, was die Schrulligkeit des Ortes unterstreicht – und Erinnerungen an das österreichische „Kugelmugel“ wach werden läßt. 
   
Nicht nur Gaby erfreut sich an den südlichsten Rössern, die wir wohl jemals zu Gesicht bekommen. Dank des gleichmäßigen Nieselregens dient der Autositz als Aussichtsplattform. 
Verwöhnt von den bisherigen patagonischen Parks, finden wir den Tierra del Fuego-Nationalpark durchschnittlich. Allein die Vogelwelt und der Küstenweg mit den zerklüfteten Buchten und zerzausten Bäumen sind für uns wirklich bestaunenswert.

Noch schöner ist das Ufer des Beagle-Kanals allerdings östlich von Ushuaia, zu erkunden auf einem langen Trekking-Pfad durch einen verwunschenen Wald, der bis zu entfernten Estancias führt. Das verkeifen wir uns zunächst aber, denn:  Wir wollen aber am 6. Jänner zurück am Hafen sein, denn wir erwarten Rainer und Christine, die von einer Antarktis-Expedition zurückkehren.

Nein, das ist nicht der Expeditionsdampfer unserer Freunde! (Aber vielleicht wares das englische Piraten?)