Freitag, 1. Januar 2016

Argentinisches Patagonien - Steinzeit-Grafitti – Cueva de las Manos

Morgensport. Weil ich bei Sonnenaufgang sowieso gerade den Drang nach draußen verspüre, ziehe ich mich warm an und erklimme den nächsten Hügel. Leider bleibt mir vom immer nächsten Gipfelchen der Blick auf die roten Felswände verborgen. Dafür stehe ich plötzlich vor einer kleinen, wunderschönen Salzlagune. Ein netter Trost, den die Natur mir spendet.


Wir holpern der „Ruta 40“ entgegen – in Argentinien sind die Pisten doch nicht ganz so gut gepflegt wie in Chile... Dann überqueren wir diese endlos lange Nord-Süd-Achse und holpern weiter Nordostwärts.

Ein Umweg, der sich auszahlt. Rund 800 Hände bewundern wir in dem geschützten Bereichs eines Felsüberhangs. Nur etwa 10 % sind rechte Hände. Das passt ja bestens in die übliche Rechts- und Linkshänderverteilung.
Die Felsmalereien sind ab 7000 v. Chr. entstanden, also schon knapp nachdem dieses Welteck von Menschen besiedelt worden ist (als letzter bewohnbarer Teil überhaupt!). Höchst interessant, wie sich die Grafitti von der reinen Abbildung von Händen (was war die Bedeutung davon???) zu abstrakten Zeichnungen verschoben hat. Zacken (Berge?), Tiere (Eidechsen?), Jagdszenen, Bildfolgen, vielleicht Jahresrhythmen, sind zu erkennen. Dieses „Weltkulturerbe“ allein wäre genug, um herzukommen.
Als überraschender Bonus befindet sich die Bilderwand in einem attraktiven Canyon, dessen Steilwände und das zarte Grün im Talboden zum Staunen herausfordern.
Die bemühte Besatzung der Touristenführungsstation befindet sich allerdings gerade in einem Schwebezustand. Vor nur wenigen Wochen hat der amerikanische Millionär und Philanthrop Douglas Tompkins die Estancia mitsamt diesem Canyon erworben – um das Gelände als Schutzgebiet zu entwickeln.

Wer den Blog gelesen (oder es sonst wie erfahren) hat – Mr. Tompinks ist Anfang Dezember in Südchile tödlich verunglückt. Wie es mit der wunderbaren Cueva de las Manos nun weitergehen wird, erscheint den Beteiligten vor Ort ungewiss...