Sonntag, 31. Januar 2016

Er - Ich - und der Autoeinbrecher

Er ist ehemaliger Arbeitskollege, schon im (Un-)Ruhestand und hat die letzten drei Jahre in Madrid gelebt. Ich freue mich, ihn nun hier in Chile zu treffen. Er hat sich nämlich für die nächsten Monate zur Freiwilligenarbeit in Ecuador verpflichtet und gestaltet die Anreise südlich ausschweifend.

Erich! Ein herzliches Wiedersehen in der Lobby seines Hotels am Stadtrand von Puerto Montt, ein gemeinsames Dinner, viel zu erzählen. Die Nacht verbringen wir in unserem Schlafwagen am Hotelparkplatz. Kein Problem... 
Autoeinbruch ist ein hartes Geschäft: bei den meisten Mitmenschen ist man unbeliebt, an der eingeschlagenen Fensterscheibe kann man sich verletzen und die Beute ist ungewiss. Und womit dieser Dieb nicht gerechnet hat: Dass jemand im Auto vor dem Hotel schläft. Gaby weckt mich und flüstert: „da klettert jemand auf unser Autodach!“ Ich brülle los und schlage gegen das Autodach. Blitzschnell sind wir um 80kg leichter!!! Es ist knapp nach drei in der Früh, das Wiedereinschlafen fällt dann schwer.
Am nächsten Morgen sehen wir die Bescherung: bei drei anderen Geländewagen wurde eine Seitenscheibe eingeschlagen! Wir sind diesem Schicksal wohl nur entgangen, weil der Dieb neugierig zuerst unsere Dachlast begutachten wollte. Gut is g´angen, nix is g´schen... Aber eine Warnung ist es allemal.

Über das völlig überlaufene Puerto Varas geht es zum Lago Llanquihue. Mittagsrast. Einen Freund getroffen - und eine Küchenhilfe gefunden !
   
Wir verbringen zwei wunderbare, in jedem Sinne sonnige Tage mit Erich zunächst am Vulkan Osorno (und wollen die Touristenmassen am Lago Todos los Santos gleich vergessen!). Die urige Berghütte beschert und einen umtriebigen, englischsprachigen jungen Hüttenwirt und einen gewaltigen Wetterumschwung: Sicht von Unendlich bis gar nix binnen einer Stunde.

Der zweite Reisetag führt uns in einer recht einsamen Runde entlang eines weit ins Hügelland reichenden Meeresarms. Die Piste fordert Erichs Leih-Clio einigermaßen (aber er war ja Rallyfahrer, früher!), dafür gibt’s hübsche Wald- und Berglandschaft und mit Cochamó ein recht nettes Dorf zu bewundern. 
Zurück an der Atlantikküste quartieren wir uns in einem typisch chilenischen, etwas windschiefen Haus, errichtet aus Holzstaffeln und Pressholzplatten und etwas Isoliermaterial ein. Ein einfaches Hotel mit Familienanschluss (d.h. der Familienfernseher steht quasi am Gang vor den Zimmern). Immerhin dürfen wir im Garten ein Feuerchen entzünden und unsere rund eineinhalb Kilo paraguayisches Steak grillen. (Nicht wundern, aber in Chile gibt es viel mehr Schweinefleisch und Huhn als Rind). Nach einigen Monaten „weg von Wien“ freut man sich, beim selbst gegrillten Steak in der Abendsonne dann ein wenig aus der Heimat und von gemeinsamen Freunden zu hören...