Dienstag, 12. Januar 2016

Torres del Paine – Friedhof der Eisberge

Rot, gelb, blau, schwarz. Die Karawane der Designeroutdoorjackenträger wälzt sich dem schottrigen Seeufer entlang. Im Hintergrund lavasteinschwarz und eisbergblau. Die Menschen davor sind zunächst gute Kulisse, dann verschwunden. Sie stecken im Bauch des sündhaft teuren Ausflugsbootes zum Glaciar Grey, der in distanter Sichtweite in den See kalbt.
 
Ziemlich allein kämpfen wir gegen den Wind und arbeiten uns zur Spitze der Halbinsel vor. Dichte Wolken sorgen für monochromes Licht und fahle Eisblöcke im schwarzen Seewasser.




  

Wir kauern uns hinter ein paar windschiefe Gebüsche und sehen dem flotten Wolkentreiben zu. Allein das linsenförmigen Gebilde vor der Sonne scheint verankert zu sein. Den Veränderungen am Himmel zuzusehen lässt die Zeit im Fluge vergehen. Der Himmel hier zeigt ganz andere, uns unbekannte Strukturen. Faszinierend, wir sind uns einig.

 
Irgendwann gewinnt die Sonne doch die Oberhand – und die Eisberge strahlen in allen Tönen zwischen schneeweiß und tiefblau. Sie scheinen wie Kreaturen von endloser Schönheit – gestrandet am Friedhof der Eisberge.
Damit haben wir wohl die ganze Bandbreite dieses außergewöhnlichen Nationalparks gesehen – aber natürlich nur an der Oberfläche gekratzt. 9 Tage sind viel zu wenig...