Montag, 21. März 2016

eine hoch politische Mine - Chuquicamata

Bekannt war die Erzlagerstätte in der Atacamawüste schon vor der Ankunft der Spanier, explosiv wurde es in der Gegend im Salpeterkrieg in den 1880-ern – erst damals kam das Gebiet unter chilenische Herrschaft, brisant wurde es mit der Ankunft der Amerikaner 1912. Die Familie Guggenheim war Weltmarktbeherrscher in Sachen Kupfer, übernahm die Mine und Chuquicamata wuchs zur größten Kupferabbaustelle der Welt heran.

So sah der Ort 1925 aus:
Die Besitzer wechselten, die Arbeitsbedingungen blieben schlimm. Der Feinstaub schlug sich in der kurzen Lebenserwartung der Minenarbeiter und der direkt an dem riesigen Loch lebenden Familien nieder. Der Friedhof beherbergt lange Reihen von Kindergräbern.
Der junge argentinische Arzt Dr. Ernesto Guevara besuchte bei einer Motorrad-Südamerikareise in den 1950-ern die Mine. Die Legende hat es, hier wurde „Che“ zum Sozialrevolutionär. Hier fand er die Arbeitsbedingungen so schlimm, dass sein Weltbild grundlegend verändert wurde. „Ein Sinnbild der arbeitenden Massen“ sei diese Mine mit mehreren tausend ameisengleichen Arbeitern. Der Rest ist Geschichte.

Wer die Reise des jungen Che nacherleben möchte, bitte sehr, gibt´s auf Film: 
 
Zwei Jahrzehnte später war die Mine wieder im politischen Brennpunkt: der linke Präsident Salvador Allende (der erste demokratisch gewählte Marxist Lateinamerikas) verstaatlichte den Kupferbergbau 1971. Der CIA war zwar schon heftig am Destabilisieren des Landes, dieser Akt goss aber sicher Benzin ins Feuer...

Jedenfalls betreibt seither die staatliche CODELCO den Abbau. Auf deren Website gibt es Infos und interessante Fotos: www.codelco.com/prontus_codelco/site/edic/base/port/chuquicamata.html

Diese Einleitung führt zu einem denkbar kurzen Hauptteil: Wer nach Calama reist, kommt an Chuquicamata vorbei – oder besser gesagt, nicht vorbei...
Riesiges Loch, gigantische Fahrzeuge, Geisterstadt, Umweltverschmutzung in großem Stil - das muss man sich aus der Nähe ansehen!
So sieht ein deutscher Radarsatellit das Loch von mehr als 4km Länge und 1km Tiefe

... und ich komme mir etwas verloren vor zwischen den zierlichen Maschinchen

Die Minenarbeiterstadt wurde vor einigen Jahren geschlossen – man fand Kupfer unter dem Ortsgebiet. Die Bewohner sind nun nach Calama umgesiedelt. Ob das schöner ist?
 Alles rund um das gigantische Minengelände ist hermetisch abgeriegelt, allerdings darf man mit in Calama gebuchter Tour das Gelände besichtigen. Alles atemberaubend (besonders der Staub...), im übrigen auch der Wasserverbrauch (hier in der Wüste!) sowie die Umweltverschmutzung (Arsen,...)
Dafür, so erfährt man, war CODELCO maßstabgebend bei der kostenlosen medizinischen Versorgung und etwa bei der Kinderbetreuung seiner Mitarbeiter...

Insgesamt mutet die Begegnung mit Chuquicamata an wie ein Ausflug in eine andere Dimension...

Über die Dimension der Mine und die Abbaumengen findet man auch hier Informationen: