Montag, 21. März 2016

Zeit oder Diesel!

Chilecito ist eine Kleinstadt im Nordwesten Argentiniens. Erwähnenswert, weil vor über 110 Jahren hier eine technische Meisterleistung vollbracht worden ist. Eine Materialseilbahn von 35km Länge mit einer Bergstation in über 5000m Höhe. Und alles für ein wenig Erz...
Von der Seilbahn ist nicht mehr viel übrig (außer im Museum), aber ein paar Bilder und Details zum Kopfschütteln findest du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Materialseilbahn_Chilecito-La_Mejicana

Chilecito bleibt uns aus anderen Gründen in Erinnerung: Der Tankvorgang...
An einem Eck an der Plaza, dem Stadtzentrum liegt die YPF – Abkürzung für die 2012 von Präsidentin Kirchner (illegal wieder-)verstaatlichte Ölfirma. Autos warten bis auf die Straße zurück, was den üblichen Stau wegen Spurverengung zur Folge hat. Keiner hupt, keiner murrt, in Argentinien ist man das Warten gewöhnt. (So erhält z.B. jeder Argentinier Gratiswartekurse vor und in seiner Bankfiliale...)

Dann gelange ich doch zur Zapfsäule. Der Tankwart schaut mich an, ich sagen „Diesel voll, bitte!“, er dreht sich um und beginnt an der Zapfsäule vis-á-vis einige Mopeds mit Benzinhäppchen zu füttern. Hinter mir schon vier Autos, zwei davon blockieren die Straße. Macht nichts. Ein fragender Blick, Achselzucken – die waren zuerst da. Er schlurft herbei, argentinisch freundlich, lächelnd, langsam. „Diesel voll?“ - „Ja bitte!“

Wer jetzt denkt, da wird der Zapfhahn in den Einfüllstutzen gebracht, eingeklipst und dann gluckert es selbständig – weit gefehlt. Die ruhige Hand des Tankwarts hält den Schlauch fest, die andere hält den Ventilhebel oben. Der Blick ist fest auf die Tanköffnung gerichtet.

Die Schlange wird länger, kein murren, aber Stau im Bezirk. Bis die 70 Liter durch den engen Schlauch gelaufen sind, hätte ich es mit der Hand heraus geschöpft. Der Tankwart fixiert den Schlauch und auch an der anderen Zapfsäule geht daher nichts. Selbstbedienung ist hier kein Begriff...

Leider ist der Sprit in jüngster Zeit wesentlich teurer geworden (Macri-Inflation...). Das strapaziert nicht nur das Geldbörsel, sondern überfordert die Zapfsäule. Bei 999.- ist Schluss. Betrag und Liter werden notiert (ist das nicht bei jedem gleich?), dann springt alles auf null. Im Schlafwagen findet Sprit für 1150 Pesos Platz. Dies will bezahlt werden. Das geht nun mit Kreditkarte, weil der Wechselkurs entspricht ja seit der Wahl frei ist und sich dem Schwarzmarktkurs angepasst hat. Das Problem: Zunächst müssen die beiden Teilbeträge zusammengerechnet werden. Das wäre ganz einfach, würde der Computer dies auch tun. Nach drei Versuchen spuckt er das Blatt mit Gesamtrechnung aus. Draußen wartet fast alles, die Tankkollegin an der 3. Zapfsäule bedient nun fast schweißgebadet auch die mittlere Zapfsäule.

Ich zücke die Kreditkarte. Entscheidungsfrage: Magnetstreifen oder Chip? Auf beide Varianten versucht – kein Lebenszeichen von der Maschine. Achselzucken – das Internet ist iher sehr langsam... Draußen erstes Hupen. Gaby wundert sich schon, wo ich solange bleibe. Vielleicht ist die Karte kaputt. Ein Versuch mit ihrer endet ebenfalls im digitalen Nirwana. Geduld, meint der Tankwart, gleich wird’s gehen. Und tatsächlich – nach gefühlten 10 Minuten darf ich unterschreiben.

Jetzt könnte ich losfahren. Leider steht nun an der mittleren Zapfsäule ein Geländewagen mit ebenso hungrigem Tank. An dem gibt es in dieser engen Tankstelle kein Vorbeikommen. Warten. Immerhin geht’s ein Stückchen vorwärts, sodass mein Hintermann den Schlauch bekommt – in den Tankstutzen nämlich. 

Nach rund 25 Minuten ist das „Abenteuer Tankstelle“ bewältigt. Allerdings dürfen wir froh sein, dass die Kreditkartenzahlung funktioniert hat und grundsätzlich angenommen worden ist – immer mehr Füllstationen lehnen (wohl wegen der Inflation und Internet-Unsicherheit) Kreditkarten gänzlich ab...