Dienstag, 7. Juni 2016

Schon wieder ein „Machu Picchu des Nordens“! - Marcahuamachuco

Wir sind unterwegs in der Region Cajamarca. Andere Overlander haben wir seit Wochen nicht mehr gesehen. Gerade als der Abend an diesem See hereinbricht, erkennt Gaby aus dem Augenwinkel einen  mit Sandblechen bestückten Wohn-Landcruiser. Es handelt sich um ein Schweizer Paar, das von Süden heraufkommt und uns einige Infos über Straßenzustände etc. geben kann. Wir verbringen einen geschwätzigen Abend am See und verabschieden uns erst nach einer ausgiebigen schwyzerdütschen Frühstücksplauderei...  Inzwischen kommen schon die ersten einheimischen Touristen an den See.
Wir machen wieder auf Kultur, obwohl zunächst Anderes im Vordergrund steht: spektakuläre Wolken- und Lichtstimmungen zaubern eine tolle Hügellandschaft. Zerfressen werden die Hügel von mehr oder weniger großen Minenkomplexen. 
   
Durch das für uns fast unaussprechbare Städtchen Huamachuco geht es wieder mal in die Berge hinauf.
Die ausgedehnte Ruinenstadt Marcahuamachuco liegt auf über 3200m, allerdings kann man nicht auf sie herabblicken wie beim „echten“ Machu Picchu – sie wurde auf einem Bergrücken erbaut und ermöglicht wunderbare Ausblicke in alle Richtungen 
Wir wandern auf der 5km² weiten Meseta (Hochebene) durch die Mauern und Steinhäufchen und stellen rasch fest, dass es eine Unterteilung in zwei signifikante Bereiche gibt: das viereckig angelegte „El Castillo“ und das überwiegend runde „Las Monjas“. Wer glaubt, mit der Übersetzung durchzukommen – leider nein!
   
Zwar ist bis heute ungeklärt, wozu die große Anlage, an der seit 400 v. Chr. gebaut worden ist, wirklich dient, die Vermutungen sind aber da:
„El Castillo“ ist eine groß angelegte Ritualstätte mit viereckigen Sälen und (Opfer?)Türmen. Das höchste Bauwerk dürfte fünf Etagen erreicht haben!
„Las Monjas“ mit seinen bis zu vierstöckigen runden Strukturen dürfte die Unterkunft für (ausgewählte?) Familien oder Clans gewesen sie, die für religiöse Zeremonien über längere Zeit hier residierten.
Oder stimmt die Übersetzung „das Kastell“ doch? Die bis zu 10m hohen Steinmauern und Ausgrabungen von männlichen Figuren lassen andere Wissenschaftler darauf schließen, dass sich hier doch ein bedeutendes Verwaltungs- und Militärzentrum befunden haben muss. Und dass die Stadt auch 1700 Jahre nach ihrer Gründung stark genug war, um den anrückenden Inka zu widerstehen...
Die Bauernfamilie sieht das alles wohl ziemlich unbekümmert, hofft aber sicher, dass der Touristenstrom irgendwann mal einsetzen wird – immerhin will  eine Frau uns als einzigen Touristen weit und breit schon eine handgestrickte Tasche verkaufen. Bis dahin lässt sich die Weite zwischen den Steinen ausgezeichnet als Weide nutzen. Es gibt also doch ein paar Unterschiede zu Macchu Pichu!