Dienstag, 5. Juli 2016

Freundeswechsel und Inti Raymi – Das Sonnwendfest in Cusco

Wir wickeln das Pflichtprogramm im „Heiligen Tal“ ab und besuchen einige wirklich beeindruckende Inkaruinen. Besonders imposant finden wir die gigantischen Terrassenanlagen rund um die hoch gelegene Festung Pisaq. Wir haben auf dem eher schmuddeligen Gemeindeparkplatz des Ortes genächtigt und sind schon früh bei den Ruinen. Neben einer touristischen Taxiladung sind wir die einzige Besucher, als die Sonne die ersten warmen Strahlen schickt. 
Als wir die Stätte verlassen, ist unser Schlafwagen eingeschlossen in der Menge von Souvenirstandeln, deren Betreiber unsere rasche Abfahrt heftig reklamieren. Schließlich haben inzwischen geschätzte hundert Touri-Busse potentielle Kunden herbeigeschafft. 
Wir treten also die Flucht nach unten an, der Vollmond der kommenden Nacht treibt uns zu den weißen Salinen von Maras. Über die kreisförmigen Terrassen von Maray (ein Biolabor der Inkas?) fahren wir die weiße Staubstraße zu der seit Jahrtausenden betriebenen Salzgewinnung. Der Rundgang zwischen den vielen Salzterrassen gefällt uns, ganz allein bei Vollmond wirken die weißen bis braunen Pools es aber deutlich besser...
   So, alles abgeklappert – und wirklich, die Gegend hat viel zu bieten... Nun geht’s aber zurück nach Cusco, Silke und Uwe haben uns schon geschrieben, dass sie von Arequipa eingetroffen sind. Ihr IVECO mit kuscheliger Wohnkabine (gern erinnern wir uns an Ushuaia zurück...) steht aber nicht am über der Stadt gelegenen Campingplatz (von dem wir eh nur mäßig begeistert waren...) sondern in einem zentrumsnahen Hostal mit sicherem Parkplatz. Hallo, wir kommen gerne!
Viel gibt’s zu erzählen, man hat sich fast sechs Monate nicht gesehen... Obwohl wir ein (preisgünstiges) Zimmer beziehen, ist nun das Hamburger WoMo unser Lebensmittelpunkt in Cusco. Es gibt nicht nur das Beste von Cuscos Bäckerzunft zum Frühstück im Allrad-Iveco, sondern auch mal ein Alpacasteak vom Grill zur Mittagstunde. Wunderbar, wir nehmen uns Zeit für begenung! Ein paar Mal durch die Stadt streifen, einen weiteren Tag voller farbenfroher Kostüme im Zentrum erleben, über Gott, die Welt, die Politik in Europa und tiefgründige Fotofragen philosophieren – uns geht der Gesprächsstoff nicht aus. Und Riesenvorteil: Gaby hat mit Silke wieder jemanden an ihrer Seite, der ebenfalls gerne durch die gefühlten 23.000 Souvenirläden in der Stadt zieht und die beiden haben auch viel zu bereden...
 


Jetzt wird’s ernst! 24. Juni – das alte Inkafest „Inti Raymi“ („Sonnenfest“ auf Quechua) findet heute statt! In weiten Teilen der Anden bedeutete dies auch den traditionellen Jahresbeginn! Seit 1535 war das Fest durch die spanischen Herrscher und die katholische Kirche verboten, seit 70 Jahren wird es nach alten Aufzeichnungen nachgespielt. Dies ist natürlich auch den Reiseveranstaltern nicht entgangen, heute gibt es Sonderreisen zum Fest. Zusammen mit den vielen Einheimischen wälzt sich daher ab frühmorgens eine ansehnliche (fast undurchdringliche) Menschenmasse von der Avenida El Sol über den Plaza de Armas hinauf zu den beeindruckenden Ruinen von Saqsayhuaman.
In der Stadt gibt es einen ersten nachgestellten Festakt, wobei wir nicht bis zum Hauptplatz durchgedrungen sind, sondern uns gleich den Hang hinauf zum Zeremonialplatz begeben. Mit dem Taxi? Fehlanzeige, alle Straßen völlig verstopft...
  
Aber nach einer halben Stunden stehen wir oben bei den alten Steinen, es muss übrigens eine wunderschöne Anlage gewesen sein. Unsere Damen wollen sich nicht dem Drängelstress aussetzen und wir trennen uns. Uwe und ich schlängeln uns durch die dicht gedrängten Gratisbesucher am Hügel, unter uns das (etwas ernüchternde) Plastikpodest und die Tribünen, für die anständig zu bezahlen ist. Die Inak-Königin hat da weniger Probleme am Weg zur Zeremonie...
   
Uwe bleibt in der Übersichtsposition, ich versuche nach misslungenem Akkreditierungsversuch nochmals mein Glück mit dem Presseausweis. Jetzt gelingt´s und ich kann die gesamte Zeremonie aus nächster Nähe verfolgen. Nach Tänzen, Gesängen und Gebeten hunderter Kostümierter wird der Höhepunkt von kunstvoll geschmückten Inka-Priestern vollzogen: Die Opferung eines Lamas und das Herausschälen der inneren Organe. Über all dem thront der Inka (ja, so nennt sich der Herrscher/König, nach diesem wurde das Volk so benannt), der einige Worte an die Versammelten richtet.
Nach eineinhalb Stunden ist der Zauber vorbei und König und Königin werden auf Sänften hinter die Kulissen getragen. Der Inka fällt erleichtert dem Bürgermeister um den Hals, all dies unter den wohlwollenden Augen des frisch gewählten Staatspräsidenten. Das Fest findet nächstes Jahr wieder statt, die Wahl eines Präsidenten erst in sechs Jahren. Zumindest in Peru!