Dienstag, 5. Juli 2016

Machu Picchu


Pyramiden? Kennt man, trotzdem bleibt der Mund offen, wenn man vor der Cheops steht...
Ayers Rock? Tausend mal am Foto gesehen, doch dieser Fels im Abendlicht kann nur vor Ort wirklich genossen werden!
Machu Picchu? Legenden, Abzocke und Massen von Touristen – aber wir wollen dieses Bauwerk in einzigartiger Umgebung trotzdem in natura auf uns wirken lassen.
 
Nach der Wiederentdeckung 1911 war es wohl eine Fundgrube für Archäologen – heutzutage ist die von Reisenden gestürmte Inkafestung eher was für Ethnologen: Besucher von den Philippinen, aus den Emiraten, aus aller Herren Länder zwischen Kanada und Südafrika mischen sich zwischen die US-amerikanischen Horden. Unsere französischen Reisefreunde, ein Österreicher sowie eine zugelaufene Schweizerin ergänzen heute die Vielfalt.
In der kalten morgendlichen Finsternis, so gegen fünf Uhr steht schon eine Schlange, die auf den Bus hinauf wartet. 12 Dollar oder, welch Alternative, die 700 Höhenmeter gratis zu Fuß erklimmen. Sich die Ruinen erst zu verdienen, einen Mini-Inkatrail bewältigen, sozusagen. Wir sind bequem und löhnen die Dollares. Bei 120 Soles Eintritt (etwa 40€) für das britische (?) Konsortium, das alle Rechte auf das peruanische „Nationalheiligtum“ geleast hat, sind die Buseinnahmen wohl ein gutes Nebeneinkommen. In 20 Bussen zu 32 Sitzen werden die Leute rauf gekarrt. Wir schaffen Nummer 4, was aber egal ist, weil vor dem Eingang staut es sich wieder.
Mit den Ersten stürmen wir im ersten Tageslicht den weitläufigen Ruinenkomplex. Und tatsächlich: Die Lage in der schroffen grünen Landschaft, die Ausmaße der Anlage, die Ausblicke – alles oft gesehen, aber nie beobachtet. Die Anlage füllt sich während langsam die Sonne über den Bergkamm klettert.
   
Theoretisch sind pro Tag 2400 Tickets verfügbar. So lautet die Vorgabe für das UNESCO-Weltkulturerbe. Einer der strengen Aufpasser meint mit weit ausholender Armbewegung „heute sind etwa doppelt so viele wie zugelassen da!“ Das reicht, um an jedem Fleck eine Touristengruppe in der Morgensonne aufleuchten zu lassen. „In der Hauptsaison treiben sich aber bis zu 6000 Menschen zwischen den Steinen herum“, ergänzt der Uniformierte. „Da wird niemand weggeschickt, der ein Ticket will – allerdings werden dann nur mehr die teureren mit der Besteigung des Machu Picchu inklusive verkauft...“
Der Gipfel liegt hoch über den Ruinen, der Aufstieg wäre schweißtreibend und die Ruinen weit weg. Für den leichteren, spektakuläreren Wayna Picchu - hoch oben mit einer Verteidigungsanlage garniert – gibt es auf Monate hinaus keine Tickets...
Den Vormittag vertreiben wir uns mit dem Besuch bei der Puerta del Sol – dort hat man, von der anderen Seite kommend, nach der Bewältigung des „Inka-Trails“ den ersten Blick auf die Anlage. Ein Spaziergang führt zu einer Inkabrücke, der Weiterführung des Pfades. Der Weg führt an einem kleinen Vorsprung des senkrechten Felsens entlang, Touristen dürfen da nur ein paar hundert Meter weit gehen... Und es verirren sich nicht zu viele hierher.
    
Bei genauer Betrachtung ist Machu Picchu nicht mit der Qualität der Steinmetzarbeit in anderen Inkastätten wie etwa Saqsayhuaman vergleichbar. Dafür ist der Optimismus und die Kühnheit, eine Stadt hier mitten im Gebirge zu errichten umso bewundernswerter. Und das macht wohl den Reiz von Machu Picchu aus: Wenn man von ein paar Strommasten, den Eisenbahnschienen und den vielen Leuten absieht – es gibt kein Zeichen der Zivilisation rundherum...
Am Mittag lichtet sich die Lage, die Tourgruppen verschwinden, um den sündteuren Zug retour nach Cusco zu erwischen. Gaby und die beiden Franzosen treten gegen 3 Uhr den Fußweg hinunter an, ich bleibe bis zur letzten Minute in den fast menschenleeren Ruinen. Weil gerade der kürzeste Tag des Jahres ist, gibt es beinahe einen Sonnenuntergang zwischen den alten Steinen. Da ist allerdings der strenge Wärter dagegen, auch ich werde rausgescheucht, um Punkt fünf haben alle draußen zu sein. Damit die Steine genügend Zeit zur Erholung für die nächsten paar Tausend haben...