Mittwoch, 25. Mai 2016

Chachapoyas – Anreise mit Hindernissen

Frühmorgens erhalte ich in San Ignacio einen Wink von einem freundlichen, gut gekleideten Herrn und schon bin ich in seinem Kaffeekontor. Er exportiert die Bohnen, die hier überall am Straßenrand getrocknet werden. Auch nach Österreich! Er erzählt von Preisen und Logistikproblemen und ist sichtlich stolz auf seinen vierjährigen Sohn, der von Kaffeebohnen andere Vorstellungen hat: ein super Spielzeug, herrlich, in den großen Säcken zu wühlen! 

 Dann geht’s los, südwärts. Na ja, noch ein kurzer Halt. Wegen einer Zeremonie am Hauptplatz ist kurzerhand die Ortsdurchfahrt nicht möglich. Warten, zuschauen, in einer halben Stunde geht’s dann doch. Zeit ist kein Thema hier. (Dafür haben die meisten Geschäfte auch am Sonntag offen...)
   
Das hätten wir nicht gedacht! Wir wähnen uns mitten in den Anden – und sind plötzlich an einem Fluss mit lauter Reisfeldern an den Ufern und es ist anständig schwül. 
Aha, Bague Grande gilt als heißester Ort Perus! Aha, wir sind in der Provinz Amazonas. Es ist nur ein Tieflandzwischenspiel. Wir gewinnen rasch an Höhe, werden aber abrupt gestoppt. Zunächst zweimal von schwerbewaffneten Männern, die hinter Sandsäcken postiert sind und Jacken mit der Aufschrift „Securidad“ tragen. Sie wollen Geld von uns! Ich stell mich auf bewährte Art blöd, sage, wir brauchen nix und Peru ist schön und schon fahren wir weiter. Als zum dritten Mal solche Typen auf die Straße springen, spar´ ich mir das Bremsmanöver.
Jetzt ist es aber wirklich aus: Riesenstau mitten auf der kurvigen Bergstraße. Vor uns stehen sehr viele Lastwagen. Schon Peru-geschult, nehmen wir die linke Fahrspur und fahren mal an der Kolonne vorbei. Endstation im Menschenauflauf, ein paar Autos parken sich im Gras an Abhangnähe ein.
  
 Dieseldüfte kommen uns entgegen. Es regnet, die Dämmerung bricht herein. Etwas weiter oben liegt ein LKW quer über die Straße. Schwitzende, muskulöse Jungs sind schon dabei, die schwarzen 50kg-Kaffeesäcke von der Fahrbahn zu tragen. Das hat er also mit „Logistikproblemen“ gemeint... 
Meine Einschätzung: das dauert noch... Heute kommen wir nicht mehr nach Chachapoyas. Nur eine kurze Strecke zurück war doch ein „Restaurante campesino“, quasi ein Landgasthof. Tatsächlich speisen wir gut und günstig und übernachten dürfen wir hier auch.
Nicht nur das, unser Fahrzeug wird ins Festzelt gelotst, die große Musikanlage zur Seite geräumt und schon kann uns der Regen nichts mehr anhaben.
Blöd nur, dass am nächsten Morgen die Batterien keinen Saft mehr zum Starten hergeben wollen/können.
Geahnt hab ich´s schon seit ein paar Tagen, aber in den Dörfern hier sind Autobatterien seltener als Bananen, Papaya und Kaffeebohnen...
Kraftakt: Zusammen mit der Wirtin schieben wir den Land Cruiser aus dem Zelt bis er mitten am Fußballplatz steht.
Als Abschiedsgeschenk hat mir mein Vater Überbrückungskabel mitgegeben. Danke, weiser Mann! Die können wir nun wirklich brauchen und schon der zweite angeflehte Pick-up-Fahrer spendiert den Saft zum Starten.

Chachapoyas, wir kommen!