Mittwoch, 25. Mai 2016

Gocta - Der Fall vom Wasserfall

Ja, wie hoch ist er denn wirklich? Und welche Position nimmt er im weltweiten Wasserfallranking ein?
Das hat bis vor ein paar Jahren keinen Menschen interessiert – erst 2006 wurde hier vermessen. Und man kam auf die Fallhöhe von 771 Metern. Das aber nur, wenn man die beiden Wasserfallteilstrecken addiert. Aber darf man das? Und wenn ja, ist es dann wirklich der dritthöchste der Welt?
Man weiß, ein Stockerlplatz ist im Ranking immer wichtig...
Na ja, nicht weit von den „Cataratas Gocta“ liegt ein um ein paar Meter höherer Wasserfall. Dieser funktioniert aber nur in der Regenzeit – gelten die dann nicht? Sonst wäre nämlich der „Yumbilla-Fall“ an dritter Stelle.


   
Unbestrittener Fallhöhengoldmedaillengewinner ist der Salto Angel in Venezuela. Seine knapp tausend Meter sind Weltrekord – und der scheint bis auf weiteres sicher. Beim zweitplatzierten Tugela Fall in Südafrikas Drakensbergen darf man schon vorsichtig sein: ist das unerlaubtes Doping (oder hopping?), wenn er über fünf Stufen fällt?
Wir haben ausreichend Zeit, über die korrekte Wasserfallhöheneinstufung zu philosophieren, schließlich sind wir beinahe drei Stunden im feuchtkühlen Nebelwald unterwegs, um zu diesem Naturschauspiel zu gelangen. Keine Gefahr von Langeweile. Ein paar Kolibris lenken vom Gatsch ab, malerische Farne laden zum Fotospiel ein, die umliegenden Berge zeigen auch ganz schön Profil.

Und als wir dann an der Wasserfallmittelstation stehen, schauen wir uns an – und sagen: na, sehr viel Wasser kommt da  nicht runter - aber hoch ist er schon, das Wasser donnert kräftig.
Außerdem ist das Setting beeindruckend und kurz grüßt uns sogar die Sonne!
Wir beschließen, den benachbarten Teilzeitwasserfall auszuklammern und vergeben die Bronzemedaille an den Gocta!
Einige Fragen bleibt noch offen für den anstrengenden Rückweg: Wächst der Wasserfall? Kann er unten das Gestein schneller auswaschen als er sich oben eingräbt...? Gibt es daher auch bei Wasserfällen Überholmanöver? Und wenn ja, kann man es schon nächstes Jahr messen?