Sonntag, 28. Februar 2016

von Schafen und Pferden – Fiesta Nacional in Junin de los Andes

Nach unserem Rodeo-Flop in Futaleufu muss es diesmal klappen. Über 5 Tage erstreckt sich das größte Reiterfest Patagoniens, es ist gleichzeitig nationale Reiter-Meisterschaft und großer Jahrmarkt.

Die Reiseführer widersprechen einander: „Es ist ein nettes Städtchen inmitten bewaldeter Hügel“ vs. „ein staubiges Kaff in der Steppe“. Schon bei der Annäherung erkennen wir: Variante 2 stimmt. Staubwolken begleiten uns auf den abgesperrten Hauptplatz. Hier gibt’s von Strumpfbandgürtel bis Steigbügel und von Maté-Bechern in allen Formen bis zu frisch gegerbten Schafsledergewehrhaltern alle Schattierungen von Verkäuflichem. Jede Menge Ramsch inklusive. Gaby ist allerdings von den ledernen Pferdeartikeln recht begeistert und meint, hier gebe es echt gute Ware. Aber unser Schlafwagen braucht derzeit keinen neuen Sattel und ohne Sporen und Peitsche gehorcht er auch (noch?) … 
   

Richtig, wir sind mitten im Jahrmarkttreiben gelandet. So nebenbei können wir hier im Ort gut und günstig unsere leere Gasflasche befüllen lassen. Zwischen dicht gedrängten Besuchermengen stechen immer mehr Männer in traditioneller Gauchotracht heraus. Auf der Hauptstraße traben ganze Familien auf ihren schönen Pferden südwärts. Am Ortsausgang befindet sich das Festgelände und wir kommen gerade recht zur Eröffnung. Mit Inbrunst gesungene Hymne inklusive. Bei den Ansprachen erklingt immer wieder ein vielstimmiges „Viva Argentina!“ Der Nationalstolz ist bei Reiterparade und den Folklore-Vorführungen förmlich greifbar.
Genauso greifbar sind die Staubfontänen, die über den Festplatz getrieben werden. Ein Härtetest, auch für die Fotoausrüstung. Objektivwechsel ist da eher kein Thema...

Ein Einheimischer erklärt´s, mit säuerlichem Unterton: Seit dem Vulkanausbruch vor zwei Jahren ist das so schlimm mit dem Staub. Von drüben, von Chile kommt der ganze Dreck her. Gespürte Nachbarschaftsliebe ...

Und dann geht’s los, die Kleinen zuerst: Mutige oder von den Eltern ermutigte Kinder unterschiedlicher Gewichtsklassen werden auf Schafe gehievt, krallen sich im Fell fest und mit einem Klaps geht’s los – mehr oder weniger weit. Immerhin mit recht geringer Fallhöhe und weichem Gras. Ein paar Tränen gibt es trotzdem, aber viel mehr lachende Junggauchos und stolze Väter.
Das restliche Programm mit diversen Geschicklichkeitsreitbewerben in verschiedenen Altersklassen und Rodeo am Abend lassen Freitag und Samstag rasch vergehen, am Samstagabend und den ganzen Sonntag zeigen professionelle Rodeokünstler ihr akrobatisches Können und ihre Fähigkeit, die arg aufgestachelten Pferde richtig zu „lesen“. Für unser Empfinden grenzt der Umgang mit den Rodeopferden schon sehr an Tierquälerei. Und trotzdem fasziniert es...

Und weil Bilder mehr erzählen können, gibt es hier ein paar davon...

Lago Traful – welch schöner Umweg

Wie schon angedeutet, ist die Ruta 40 für uns eher eine Richtungsanagbe. So auch nach Bariloche. Wir fahren weiter östlich, in der Hoffnung, nach dem Touristenmassen wieder in die Einsamkeit zu kommen.
Wir werden nicht enttäuscht. Erweist sich zunächst das Valle Encandada als landschaftlicher Haupttreffer, so finden wir dann am Lago Traful einige wunderbare „Platzerl“ ganz für uns. Und in der Nacht gibt es ein imposantes Wetterleuchten gratis dazu!

Bariloche - Die argentinische Schweiz

Dieser Titel ist natürlich nur für Gaby, eigentlich müsste es heißen: Salzkammergut im XXL-Format.

Es stimmt: die Stadt ist voller Touristen, Hotels und Souvenirläden. Aber die versprochene Lieblichkeit finden wir in der Stadt nicht.  
Also nix wie raus und rein in die unberührte Natur an den Seen. Jede Menge Ferienhäuser, Hotels und Cabanas säumen den Weg westwärts. Im Naturschutzgebiet von Llao-Llao wird es dann endlich natürlich und die Lage des gleichnamigen Hotels ist wirklich hübsch.
Noch hübscher allerdings wird unser Nachtplatz: zwischen den großen Bäumen laviere ich hindurch zu einer Felsplattform. Unter den alten Bäumen parkend blicken wir von 50m Höhe auf den See und die Felswände gegenüber. Herrlich.

Und weil wir in den letzten Tagen sowieso zuwenig für den Körper getan haben – fahren wir mit der Gondelbahn auf den Cerro Catedral. Die Aussicht auf die Andengipfel erwandern wir uns aber erst mit einem einstündigen Anstieg. Traumhaft! 


Gaby zieht es wieder talwärts (der stetige Wind bekommt ihr nicht sonderlich), während ich noch einen kleinen Gipfel im Auge habe. Dieser stellt sich dann mehr als spitze Geröllhalde heraus, die letzten paar Meter traue ich mich nicht mehr zu klettern. Vor mir ein senkrechter Abgrund, dahinter ragt die bizarre Formation des Cerro Catedral auf, im Hintergrund macht sich der vergletscherte Tronador breit. Danke für den Ausblick und rasch hinunter, damit ich noch die letzte Gondel ins Tal erwische...

Überlistet! Eigentlich dachten wir, einen einsamen Nachtplatz nahe des überfüllten Miradors mit traumblick über Llao-Llao gefunden zu haben. Aber mitten beim Frühstück füllt sich das Plätzchen mit zwei Busladungen Argentiniern. Da diese bekanntlich wenig Berührungsängste haben, sind wir rasch umzingelt. Mit einem Augenzwinkern meint der Reiseleiter „just 5 Minutes!“ - und so kommen wir ins Gespräch.
  
Er berichtet von jüngsten Überflutungen im Gebiet von Salta und lädt uns zu sich nach Santa Fe ein...
Bis wir wieder im argentiniwchen Norden sein werden,hat sich die Lage hoffentlich wieder beruhigt.


Da der Versuch, hier in Bariloche die Gasflasche zu füllen, nach stundenlangem Warten an einer kaputten Füllmaschine scheitert, haben wir einen weiteren Grund dieses Gebiet mit gemischten Gefühlen hinter uns zu lassen. Schon schön, aber nicht so exotisch, dass man es unbedingt sehen muss. Ist mit der Schweiz ja nicht anders, oder?