Montag, 19. Oktober 2015

San Francisco Wildlife


Eigentlich sehen wir nicht viel bei dieser Nachtfahrt. Diese Gegend ist bekannt für die Ozelot-Dichte, aber heute halten sie sich bedeckt. Immerhin gibt uns ein kleiner Ameisenbär die Ehre, da er aber in einem dicht beblätterten Baum nach seinem krabbelnden Dinner sucht, gibt dies keine ganz tolle Begegnung.

Unser Stellplatz in San Francisco


Dafür ist der Rest des Abends sehr nett, Gerard (Holländer) und Cecile (Französin) leisten uns mit
vielen Südamerika-Geschichten Gesellschaft bei der Verkostung einer Flasche brasilianischen Rotweins. Dieser ist zwar besser als sein Ruf, Ersatz für unseren Joiser Merlot ist es aber keiner...

Ein kleines Boot und ein Guide – und ab in die feuchte Zone des Pantanal. Leise und wendig arbeiten wir uns durch die Seerosenfelder, auf den Bäumen über uns zahllose Vögel. Bunte Eisvögel, graue Reiher, unterschiedlichste Raubvögel, auf den Seerosen stolzierende Jarkanas kommen vor die Linse. Immer wieder fahren wir in das Ufergebüsch und kommen den Tieren recht nahe. Hin und wieder zeigt sich ein Kaiman, ein paar Affen schwingen sich durch den Uferdschungel.




Nachmittags machen wir das Kontrastprogramm: Mit einer Busladung brasilianischer Touris geht es mit dem großen Boot durch die Gewässer. Piranha-Fischen mit großem Hallo, die Beute wird an einen springenen Kaiman weitergegeben. Tierbeobachtung mit Brasilianern scheint unmöglich – denn die haben immer was zum Plaudern, zum Lachen und kennen als Handy-Fotomotiv sowieso nur sich selbst und die Freunde.



Da wir am Abend davor praktisch nichts gesehen haben, dürfen wir an einer weiteren Nachtpirschfahrt teilnehmen. Ein Ozelot zeigt sich in weiter Ferne, ein paar Hirsche, ein paar „Riesenmeerschweinchen“, gelb strahlende Krokodilaugen, die Ausbeute scheint mäßig zu bleiben. Nach eineinhalb Stunden anstrengenden Schauens starrt ein Kopf ins Scheinwerferlicht. Zunächst glaubeich wieder an ein Reh – doch als das Tier die Hinterpfote hebt und an den Buschpinkelt, erkennen wir: es handelt sich um einen Mähnenwolf, ein sehr selten zu beobachtenden Tier. Große runde Ohren, sehr lange Beine und eine schwarze Mähne über dem braunen Fell. Langsam trollt sich dieser seltsame Bursche aus dem Blickfeld, besonders Gaby ist ganz hingerissen. Gerard und Cecile haben eher keine Ahnung, dass sie soeben ein sehr seltenes Tier gesehen haben. Roberta, die Juniorchefin der Fazienda, meint, dass sie das letzte Mal vor vier Monaten einen Mähnenwolf gesehen haben.

Ende gut, alles gut, das „Fazenda San Francisco Wildlife“ hat uns also insgesamt doch einiges geboten!






















If you come to San Francisco...

 … sei auf Überraschungen gefasst! Denn entlang der Piste, die von der exzellenten Hauptstraße ins die Wildnis des Pantanal bzw. tief in den Besitz der Fazienda San Francisco führt, findet gerade der Wilde Westen statt!


Cowboys, nein Gauchos, hoch zu Ross fangen mit dem Lasso Kälber ein, um die Ohren zu markieren. Die Kühe sind damit nicht einverstanden und schützen ihren Nachwuchs, ein paar mutige Kuhmütter attackieren die Pferde. Clevere Jungviecher schlüpfen durch den Zaun und müssen wieder von der großen Weide oder der staubigen Piste heimgeholt werden.
Ich liebe diese staubigen Gegenlichtstimmungen, Gaby ist von der Einheit Pferd und Reiter fasziniert. Die Gauchos können sich voll auf die Lassojagd konzentrieren, die Pferde wissen wie von selbst, was ihr Mensch gerade wünscht.



 Während dieser wunderbaren Vorführung holpert ein großer Touristen-Truck vorbei, wir erkennen den Holländer wieder, den wir vor ein paar Woche in Iguassu schon gesehen haben. Um 17 Uhr ist auch für die abgekämpften Gauchos Dienstschluss, die drei mit ihren ebenso verschwitzten Pferden reiten für den Abend der Sonne entgegen. Und wir kommen mit dem letzten Sonnenlicht zur Fazienda, wo wir freundlich empfangen werden und um 50 Reales am vom Mangobäumen beschatteten Parkplatz nächtigen dürfen. Nutzung des Swimming Pools inklusive :-)

Auf ins richtige Pantanal!

Das Pantanal ist ein riesiges Gebiet im Bundesstaat Matto Grosso do Sul. Für uns waren diese klingenen Namen immer auf Augenhöhe mit Katmandhu oder Timbuktu. Und jetzt endlich hier.

Aber wohin genau? Es gibt den nördlichen Zugang in diese riesige Sumpflandschaft, die bis zum Ende der Trockenzeit, im September/Oktober, die bessere Version sein soll (mehr Tiere, tieferes Eindringen in dieses Ökösystem). Und es gibt den südliche Zugang, bei dem man das Pantanal eher nur streift.


Weil wir schon spät in der Saison dran sind, entscheiden wir uns für die südliche Variante.

Nur ein ganz kleiner Teil dieser riesigen Senke ist Nationalpark – und der ist praktisch unzugänglich. Der Rest in Privatbesitz und die Natur muss hinhaltenden Widerstand gegen die zunehmende Ausbeutung und landwirtschaftliche Nutzung leisten. Einige der Faziendas haben aber die Natur als Einnahmequelle entdeckt und so gibt es touristische Varianten von einfachst bis Superluxus. 


Außerdem spüre ich immer öfter den Anschlag der Gummipuffer des Chassis an der Hinterachse. Wir sacken hinten langsam tiefer, eigentlich wurde unser Schlafwagen aber vor 3 Jahren HÖHERgelegt... - das OME - Fahtwerk also recht neu, aber auf den Pisten hier deutlich überfordert. Wir werden daher die neue Asphaltstraße nach Santa Cruz in Bolivien nehmen, anstatt der recht anspruchsvollen Piste vom nördlichen Pantanal.


Bei einem Tankstop im kleinen Kaff Miranda fällt Gaby die südamerikanische Variante von Red Bull ins Auge: 8 segundos.  Diese Zeit, acht Sekunden, muss ein Reiter beim Rodeo im Sattel bleiben, um erfolgreich zu sein. Eine Kuh rot anzumalen reicht also nicht aus...







Wasserwelten - Pantanal, Brasilien

 
Hier befinden sich einige der klarstes Flüsse der Welt, darum treiben wir mit Maske, Schnorchel und Unterwasserkamera durch den Cerrado, die typische Vegetation im Pantanal.
Ein bisserl schaut´s aus wie in der Donauau, aber mit Palmen, Papageien und Kaimanen.
Im Wasser gibt es eine Sichtweite von über 30 Metern, daran ändern auch die halbstündliche herabdriftenden Touristengruppen nichts. Zu sehen gibt es viele, auch recht bunte Fische von ansehnlicher Größe. Es ist ein durchaus nettes Gefühl, vom Neoprenanzug an der Oberfläche gehalten, einfach dahinzutreiben und zu genießen. Hin und wieder angeknabbert von einem übereifrigen Putzerfisch oder von einer Bremse in das Genick gebissen.

In den Kalksteinhügeln rund um das Städtchen Bonito gibt es noch viel mehr – und alles wird als „Öko-Tourismus-Event“ vermarktet und praktisch alles außer Atmen ist kostenpflichtig.

In einer riesigen eingestürzten Doline – angeblich der zweitgrößten der Welt (nach irgendwo in Südafrika) – finden die bunten Aras an den roten Felswänden ideale Brutbedingungen. Daher löhnen wir den Zugangsobulus, werden dafür mit Kaffee und Keks umsorgt und müssen für den Zugangsweg (etwa so gefährlich wie durch den Wiener Stadtpark) feste Schuhe anlegen. Dafür bietet sich nicht nur der Blick in die rund 70 Meter Tiefe mit den Kaimanen in der grünen Lagune, sondern zeigen sich die Aras in der Balzzeit ganz besonders verliebt und interaktiv. Ein Schauspiel, das wir eher im Amazonasgebiet erwartet hätten...

Obwohl derzeit keine Saison ist, herrscht reger Betrieb bei allen Aktivitäten von Höhlentauchen über Quad-fahren bis zu im-Gummischlauch-über-die-Stromschnelle. Dank der Vermieterin in unserem hippiehaft-netten „Camping Nomadas“ erhalten wir Zugang zu einer (fast) Gratisbadestelle im Rio Formoso. Wir genießen den Nachmittagsswim, ich versenke mich beinahe im Sumpf (kann aber sogar die Schlapfen wieder rausziehen, ein paar Kratzer an den Beinen werden schnell heilen...) und zum Tagesabschluss gibt es noch eine Portion Aras im Abendlicht am Baumwipfel. Allerdings können diese klugen Vögel auch nerven, wenn sie es auf unsere Semmeln abgesehen haben...




Das Bonito-Wasserwelten-Programm runden wir mit dem Besuch der Gruta Lago Azul ab – in deren Tiefen das Skelett von Riesenfaultieren (6m Länge!) aus dunkler Vorzeit gefunden worden ist. Mit den interessanten Lichteffekten auf die wirren Stalaktiten wirkt die Grotte wie eine Kulisse aus Mittelerde.

 Und hier noch ein paar weitere Bonito-Impressionen. Das ist ein gelungener Einstieg ins Pantanal!