Sonntag, 28. Februar 2016

Die Existenz der Mapuche: wem gehört das Land?

Einer der größten Landbesitzer Argentiniens ist die Familie Benetton (jetzt wissen wir wenigstens, wohin der Gewinn aus dem Leiberlverkauf rollt...). Beinahe eine Million Hektar nennen die Brüder in Patagonien ihr eigen.
Aber auch Filmstars wie Christopher Lambert haben hier ansehnliche Anwesen gekauft (in dieser Gegend ist man nicht nur vor Paparazzi sicher, es muss dem Highlander ja wie daheim vorkommen!).
Allen diesen Ausländern ist mit den sonstigen Estancia-Besitzern und Inhabern von Schürfrechten gemeinsam, dass die Landrechte nicht überall klar sind.
Wie auch in anderen kolonialisierten Erdteilen gab es hier „blöderweise“ schon Menschen, die auf diesem Boden lebten. Und da es vor der Ankunft der Europäer mehr als genügend Land gab, machte man sich über Besitzrechte keine großen Gedanken.

Eigentlich begann erst im 19. Jh. die große Landnahme, nach der Unabhängigkeit Argentiniens. Nun wurde alles aufgeteilt, wer im Weg war, wurde vertrieben oder umgebracht.
Interessanterweise stört dieses Faktum das argentinische Selbstverständnis nur marginal. Der große Held im Indianerkrieg, General Roca steht in vielen Städten Patagoniens auf dem Hauptplatz am weißen Sockel. Nach ihm sind Straßen benannt. Die hunderttausenden Toten Indios bleiben ungenannt.



 
„Dummerweise“ gibt es immer noch einige Hunderttausend Mapuche hier am Andenostrand, vornehmlich in Araukanien (dieser wundersame Baum ist den Indios nämlich heilig). Sie leben ein einfaches Leben, wie an den Häusern und Siedlungen erkennbar ist. So sind sie es seit Generationen gewohnt. 
   
Und hier beginnt das Problem: Einerseits wurden Reservate geschaffen, damit diese Menschen in traditioneller Form leben können. Andererseits findet man immer wieder Rohstoffe in diesen Gebieten. Und – ganz aktuell – bei Rohöl hört sich der Spaß auf. Also werden die Indios immer weiter zurückgedrängt.
  
Was dies mit Benetton zu tun hat? Vor einigen Jahren siedelten vertriebene Mapuche auf den Benetton-Ländereien. Die einen behaupteten illegal, die anderen beriefen sich darauf, es sei schon immer ihr Land gewesen. Es kam zum Prozess und schlussendlich wurde den indigenen Familien ein paar Hektar zugestanden.
Gelöst ist dieses Problem aber noch lange nicht, dazu bedarf es wohl eines Umdenkens in einer Gesellschaft, die etwa die Sprache der Mapuche nicht in den Schulen lehren lässt. (Was übrigens in Chile inzwischen schon der Fall ist!)