Freitag, 26. Februar 2016

El Bolson – zu Besuch bei der Versicherung

Unser schöner Stellplatz am Rio Puelo nutzt uns nix, wer will einen noch so blauen Fluss bei Regen erkunden?

Wir fahren daher direkt ins Zentrum des in einem bewaldeten Talkessel gelegenen El Bolson, das einst unzählige Hippies angezogen hat. Geblieben ist davon der große Handarbeitsmarkt, angeblich der größte seiner Art in Südamerika. Angeboten wird das Gleiche wie auf allen Souvenirmärkten, ein paar originelle Standeln stechen heraus. Auch eine Wetterbesserung verändert nicht unsere Einschätzung der Mittelmäßigkeit, wir fahren weiter.

Ziel ist eine für uns besondere Farm. Claudia und Klaus sind in den 80-er Jahren mit dem Motorrad nach China aufgebrochen – und erst nach 16 Jahren wieder daheim angekommen. Wir haben sie dann in Wien bei ihrer Multivisions-Show zum Abenteuer kennengelernt (wer kann sich noch erinnern? „Abgefahren“ ist vor etwa 15 Jahren u.a. siebenmal im ausverkauften Wiener Audi Max gelaufen...).

Nach der erfolgreichen Vortragszeit fanden die beiden mit zwei kleinen Kindern ein neues Ziel: Sie kauften Land nördlich von El Bolson und leben seither in einem eigenen Tal mit Bach und Schafen und Obstgarten und viel Ruhe. Ganz hat sie das Globetrotten aber nicht entlassen, sie sind seit vielen Jahren ein Stützpunkt für (vornehmlich deutschsprachige) Langzeitreisende mit eigenem Fahrzeug. Und als kleinen Nebenverdienst vermitteln sie die Versicherungen für die Autos. So auch für uns.


Die Größe ihres Landes? Gaby reitet mit der jüngeren Tochter eine halbe Stunde ins ziemlich grüne Tal hinein. Ich erklimme die Ebene über dem Tal (viel anstrengender!!) und blicke über eine trockene Pampa-Landschaft. Gehört auch ihnen, ist aber eigentlich nix wert... Unten, wo der Bach plätschert - ja, das sei seine Altersversicherung, meint Klaus. Das sei ordentlich viel wert.






Wir faulenzen auf dem wunderbaren Stellplatz  - ganz für uns allein - , putzen und plaudern über Traveller-Vergangenheit und argentinische Gegenwartsrealität. Und gemeinsam mit Els und Gerrit verbringen wir nette Abende im windgeschützten Pferdestall. Die beiden Holländer lackieren hier gerade ihren Land Cruiser & Anhänger neu – was nicht so einfach ist. Denn das Farbengeschäft in El Bolson hat entweder die Basis oder die richtigen Pigmente abwechselnd nicht lagernd. Aber in Argentinien ist man geduldig...


Wir erleben auch eine Enttäuschung: eigentlich wollen wir hier unsere Gasflasche befüllen, wir wissen, dass Klaus ein Geschäft im Ort mit allen möglichen Gasflaschen-Adaptern „eingerichtet“ und „europa-fit“ hat. Aufs Wochenende folgen aber zwei Feiertage – das wollen wir doch nicht mehr abwarten und hoffen auf Bariloche...