Dienstag, 5. Juli 2016

Der lange Weg nach Cusco – Teil 2


Wer ein paar hundert Dollar zuviel hat, der hat´s gut. Man kauft sich ein Ticket für den Touristenzug nach Agua Calientes und hat keine Transportsorgen, um nach Machu Picchu und wieder zurück zu kommen.
  
Wir nutzen das Geld lieber anders und nutzen die Hintertür zu den Ruinen. Täglich fahren Kleinbusse über Santa Teresa nach „Hidroelectrica“ - genau, dort gibt es ein Wasserkraftwerk. Außerdem führt der Schienenstrang von Agua Calientes bis hierher. Wer für 8km gerne 29$ hinlegt, kann dann den Zug nehmen. Wir gehen lieber der Bahn entlang...
Höhepunkt der Wanderung: Der Mond erhebt sich über den höchsten Ruinen Machu Picchus!
Insgesamt nehmn wir eine Tagestour auf uns, um zum Ausgangspunkt für die Ruinen zu gelangen.
Genauso machen wir es auf dem Rückweg. Der Fußweg ist wenig ereignisreich, blöd ist nur, wenn der Zug kommt während man gerade durchs Tunnel geht. Auch überlebt. Beim Kraftwerksgelände warten schon hunderte Sparefrohs wie wir, um in den jeweiligen Minibus gepfercht zu werden. Mit einer gewissen Ernüchterung stellt Gaby fest, dass wir eindeutig zur Oberschicht der Anwesenden zählen. Zumindest, was die Lebensjahre betrifft...
 
Zurück geht es etwas flinker. Denn nach der Bewältigung einer längeren, einspurigen Staubpiste, großteils entlang des Berghanges mit freiem Blick auf den Fluss tief drunter, ist die Brücke in Santa Teresa heute offen. Vor drei Tagen war gerade Fertigstellung angesagt, kein Fahrzeug konnte drüber, im allgemeinen Chaos fand unser Fahrer aber einen anderen Minibus zur Fahrtfortsetzung auf der anderen Flussseite. Improvisationstalent – das dürfte in peruanischen (und vielen südamerikanischen) Genen fest verankert sein.
Gaby sitzt ziemlich bewegungseingeschränkt mit Irene und Pascal hinter dem Fahrer, ich habe mehr Glück und einen Einzelsitz ergattert. Bei der Bestuhlung merkt man allerdings, dass Südamerikaner generell weniger Volumen mitbringen, meine Schulterblätter quellen seitlich über die Lehne. Da helfen vielleicht Coca-Zuckerl - das wirkt gegen Höhenkrankheit und gegen alles andere sowieso...
Nach der Rumpelpiste sind wir beinahe schon im Amazonastiefland, auf rund 1000m Seehöhe. Es folgt eine endlose Kurvenorgie, die uns auf über 4000m hochschraubt. 
  
Den Sonnenuntergang erleben wir an einer angenehm grünen, wasserreichen Jausenstation. Bremsen- und Reifenkontrolle sowie Autowaschen ist angesagt. Der Fahrer ist zwar flott, aber verantwortungsbewusst unterwegs, ohne Herzklopfen vertrauen wir uns ihm für die Nachtfahrt nach Cusco an.
  
Der majestätische 5000-er Nevado Veronica leuchtet rechts im Abendrot auf, dann verschlingt die Nacht die weiteren Kurven...
Nach insgesamt 10 Stunden unterwegs sind wir wieder am Hauptplatz von Cusco. Empfangen werden wir von einem Spektakel mit Tänzern und Musikanten und einem Riesengedränge. Da Gaby ihre steifen Beine kaum bewegen mag und die beißende Kälte wirklich unangenehm ist, vertagen wir die Stadtwanderung auf morgen...