Mittwoch, 8. Juni 2016

Gute Mine im bösen Spiel

Prostitution oder Drogenhandel? Welches ist wohl das einträglichste illegale Geschäft hier in Peru?
Weder noch! Jüngste Statistiken sagen, es sei der illegale Goldabbau. Gold gibt es in Peru wie Sand am Meer – nämlich nicht als Goldstückchen, sondern als Staub in Erde und Flusssanden - und der muss besonders aufwändig aus dem Boden geholt werden. Wichtigste „Zutat“ ist Quecksilber. Um ein Kilo Gold zu binden, werden fast 3kg Quecksilber benötigt. Die Provinz Cajamarca, in der wir uns gerade befinden, hat etwa die Hälfte ihres Bodens an Minengesellschaften vergeben. Dazu kommt der illegale Abbau. Sind schon die „offiziellen“ Minen eine massive Umweltgefahr, so befinden sich die meist kleinen, unkontrollierten „Schwarzminen“ außerhalb jeglicher Kontrolle – mit unschätzbaren negativen Folgen für die Natur und die lokale Bevölkerung.
Aktuelles Beispiel: Weil in der südöstlichen Provinz Madre de Dios, tief im Amazonasgebiet, der Goldrausch völlig außer Kontrolle geraten ist und die Vergiftung der lokalen Bevölkerung durch Quecksilber (übertragen durch die Nahrungsquelle Fisch) aufrüttelnd ist, wurde von der Regierung Ende Mai 2016 der Ausnahmezustand verhängt. Erschreckend ist auch, wie sich die vielen kleinen, illegalen Goldminen in den Dschungel fressen (von den großen legalen wollen wir gar nicht reden...)
Wer ein wenig weiterlesen möchte: http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-05/peru-umweltverschmutzung-goldminen-madre-de-dios-fs  oder: http://www.spiegel.de/fotostrecke/regenwald-in-peru-gefaehrlicher-goldrausch-fotostrecke-103114.html
In anderen Landesteilen gibt es massive Proteste gegen den Bergbau, jüngstes Beispiel ist die Mine Las Bambas nahe bei Cuzco. Seit Jahresbeginn exportieren die chinesischen Eigentümer Kupfer nach China, die lokale Bevölkerung hat außer Umweltzerstörung, Staub und Gift wenig davon. Man spricht von Verfassungsbruch, aufgeweichten Umweltvorschriften, Korruption und dem Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht der indigen Völker über ihr Land. So geraten auch die genehmigten Minengesellschaften ins illegale Zweilicht...
  In Peru gibt es knapp 5.680 anerkannte indianische Bauerndorfgemeinschaften. Von denen sind über 3.000 durch den Bergbau betroffen – vorwiegend negativ.
Andererseits: mehr als die Hälfte der Exporte Perus sind Rohstoffe, dies macht über 12% des Bruttoinlandsprodukts aus. Die riesigen Erlöse aus dem illegalen Goldabbau sind da wohl nicht mitgerechnet...