Samstag, 23. Juli 2016

Die letzte Ruine – Tiwanaku



So nett und friedlich der kleine Ort Copacabana selbst auch ist, eigentlich gilt er nur als Sprungbrett zur nahe gelegene „Isla del Sol“ im Titicacasee. Wir finden: Besser in Copacabana bleiben als mit dem Seelenverkäufer über zwei Stunden zu dieser Heiligen Insel der Inkas zu bummeln und dort in einer Mischung aus Massen- und Alternativtouristen den ausgetrampelten Pfad in ausgedörrter Landschaft zu folgen. 
 
Da der Sonnengott Inti hier seine Kinder – den ersten Inka und dessen Frau – auf die Erde gelassen haben soll, spielt die Insel in der Inka-Mythologie eine große Rolle. In der Liste der Inka-Stätten gebührt ihr aber nur eine untergeordnete Rolle, meinen wir. Gut, mit der esoterischen des Seite der Tempels fangen wir wenig an und von den architektonischen Seite betrachtet gibt es nach der Gegend von Cusco kaum eine Steigerung mehr. Und den wunderbaren Sonnenuntergang über dem See, den durften wir schon von Copacabana aus genießen...
So kehren wir etwas enttäuscht zurück und sagen uns: wir sind Ruinen-satt! Na ja, eine muss noch sein.
Mit einer einfachen Holzfähre werden wir über die Seeenge transferiert, dann geht es eher eintönig weiter auf gutem Asphalt. Per Abkürzer über Feldwege und durch urige Dörfer erreichen wir nicht nur die Ausgrabungsstätte von Tiwanaku rascher und, weil es ziemlich steinig ist auf der kargen Hochfläche des Altiplano, mit mehr „Spaß“, sondern umgehen unbeabsichtigt Polizeikontrolle und Mautstelle. Auch gut.
Tiwanaku war das Zentrum einer weiträumigen Kultur schon Jahrhunderte vor den Inka. Und diese, die Spanier und alle anderen Bauherrn bis ins 20. Jh. haben die Steine der rund 5km² großen Hauptstadt fortgeschleppt. Unter anderem wurde so die Kirche des Ortes erbaut. Wir haben uns also von dieser UNESCO-Weltkulturstätte nicht soviel erwartet.
   
Aber siehe da, die weitläufige Anlage bietet einige interessante Ausgrabungen, auch wir als Laien können uns einigermaßen vorstellen, wie es mal gewesen sein könnte.
 
   
Draußen am Parkplatz stehen fünf Autobusse voller pubertärer Schulausflügler. Sie sind aber weniger an der Kultur interessiert, eher an Fußball und dem anderen Geschlecht aus der Nebenklasse. Daher ziehen wir bis Sonnenuntergang unsere Runden und glauben, dann rasch eine schöne und billige Unterkunft zu finden. Teuer und schlecht oder billig und heruntergekommen sind die einzigen Varianten, die wir hier vorfinden.
Die Busse sind weg, dafür ist ein niederländisches Pensionistenpaar mit einem Landcruiser Camper angekommen, wir wollen es noch mal wissen und stellen den Schlafwagen auf den Parkplatz und uns der nächtlichen Kälte. Die beiden sind seit drei Jahren und 100.000km unterwegs, mit eher unkonventioneller Anreise nach Südamerika: via Iran, Saudi-Arabien, Sudan und dann südwärts, Verschiffung nach Montevideo von Walvis Bay.
  Wir haben den ganzen Abend Plauderstoff. Als ich mal zwischendurch raus schaue sind dicke Wolken im Osten und die Lichter der Hauptstadt La Paz, 70km entfernt, erleuchten das Firmament hell. Gespenstisch – und eine unglaubliche optische Umweltverschmutzung eigentlich...
Die Nacht bringt dann noch Schneeregen und beim kühlen Erwachen in der Früh ist unser Auto in einer Eisschicht eingepackt. Jetzt wissen wir endgültig: Es ist Zeit für die Tiefe, das Amazonasbecken ruft!

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