Dienstag, 5. Juli 2016

Vom Stolz peruanischer Polizisten

Uniform, Blaulicht, Waffe. Machtgefühl. So weit, so weltweit. In Südamerika schwingen mit dem Wort „Polizist“ aber immer die Begriffe „Probleme“ und „Korruption“ mit. Erfreulicherweise können wir dies in keiner Weise bestätigen.
In Peru durften wir, ganz im Gegenteil, einige nette, sympathische Begegnungen mit der uniformierten Staatsgewalt erleben.
Freilich, sie kontrollieren. Und das ist einfach mühsam, weil die ebenso freundlichen wie diensteifrigen Beamten ja nicht ahnen, dass der Kollege an der anderen Seite des Orten bereits die Gültigkeit der Versicherung, das Original des Führerscheins, manchmal noch Autopapiere und Passkopien unter die Lupe genommen haben. Gelegntlich half aber der Hinweis darauf, dass wir gleich weiterfahren durften. Und im Übrigen meinen wir, ist es gar nicht so schlecht, wenn überprüft wird ob unsere Straßenbenutzungspartner alle mit echten Karten spielen. Bei einigen peruanischen Lenkern haben wir das Gefühl, dass eine erfolgreiche Führerscheinprüfung unwahrscheinlich ist (hier schreibe ich dezidiert nicht geschlechterübergreifend – weil Frauen am Steuer eine echte Ausnahme sind!). Also sehen wir die Kontrollen als sinnvoll an und bleiben immer freundlich...
Und es wird stets positiv aufgenommen, wenn des Lenkers Antwort auf ein „Buenos Dias, Caballero“ mit Salutieren ein freundliches Lächeln ist. Wir haben keine Kontrolle erlebt, die auch nur ansatzweise schikanös gewesen wäre. Unlängst hat ein junger Beamter wohl erstmals eine in Argentinien abgeschlossene Versicherungspolizze gesehen. Er eilt zum Chef am anderen Straßenrand, kommt rasch zurück - „alles in Ordnung!“ Weiterfahren geht aber nicht – der Offizier kommt noch herüber, streckt die Hand durchs offene Fenster – und erkundigt sich, ob wir denn ohne Kinder reisen... Und so erzählen wir wieder von den „schon erwachsenen Ichos“ und unserer einjährigen Runde. Und wie üblich werden wir mit einem breiten Lächeln und einem herzlichen „Feliz Viaje!“ zur Weiterfahrt freigegeben. 
   
Wobei, das ist ganz klar, die Damen und Herren Polizisten schon wissen, dass unser Schicksal in ihren Händen liegt. Aber wir meinen, es ist im Stolz der peruanischen Polizei, uns diesen Teil der Reiseerlebnisse in guter Erinnerung behalten zu lassen.
Dazu abschließend zwei kleine Episoden: Kurz nach der Einreise aus Ecuador, es regnete in Strömen, passieren wir eine Polizeikontrolle. Blickkontakt. Einer der beiden Beamten hebt die Hand, ich halte an. Er eilt herbei, gleich pitschnass, lächelt und meint, er habe uns nur zuwinken wollen. Und winkt uns dann mit einem netten „Bienvenidos in Peru!“ durch.
Mitten im Land, am Ufer eines Bergbaches machen wir auf der Wiese neben der kurvigen Straße Kaffeepause. In unseren Klappsesseln genießen wir die Nachmittagssonne. Kommt ein Polizist auf dem Motorrad vorbei. Das übliche rote Blinklicht über dem Sozius finden wir richtig lieb, ein kurzes Hupen, ein schnelles Winken und weg ist er. Wenig später passiert uns ein Geländewagen mit Ordungshütern drin. Aus dem Lautsprecher zwischen den Blinklichtern tönt ein beschwingtes „Buenos tardes, buenos tardes!“ - das zaubert ein Lächeln auf unsere Lippen...

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