Dienstag, 5. Juli 2016

Vom Wert des Geldes

Für einen Euro gibt es rund 3,5 peruanische Soles. Der Betrag von 10 Andendollar entspricht also rund 3 neuen Alpendollar.
Doch zehn Soles sind nach unserem Verständnis völlig unterschiedliche Werte. Für diesen Betrag darf man sich eine Gallone Diesel in den Schlund gießen oder ein einfaches, aber komplettes, dreigängiges Menü einverleiben. Zehn Soles sind der Standardeintrittspreis für viele Sehenswürdigkeiten, dieses Geld könnte man aber auch in einen (günstigen) Pisco Sour investieren. Sieht man, wie viel ein Flachfernseher oder andere Konsumgüter kosten, müssen wir uns fragen, wer diese kaufen kann. 
  
Gut, es gibt die städtische Mittelschicht und dank der Einnahmen aus dem Bergbau kann der Staat offenbar recht gut zahlen (und viele...) - aber am Land und in kleineren Orten sieht das anders aus. Die Arbeitskraft der Menschen ist wenig wert. Wenn wir sehen, wie schwere Ladungen am Rücken oder per Fahrrad transportiert werden, wie Kartoffel händisch geklaubt und mit den Füßen gestampft werden, wundern wir uns, dass diese Mikrowirtschaft genug zum Überleben und etwas mehr abwirft. Freilich, viele Bauernfamilien leben weitgehend als Selbstversorger – Handy und TV sind aber fast überall eine Selbstverständlichkeit.
10 Soles müssen wir hinlegen, nachdem ein geschickter Schneider unsere Campingstühle mit Lederbandagen in rund einstündiger Arbeit verstärkt hat, man könnte stattdessen aber auch eine Ladung Wäsche waschen lassen... Wie, bitte, soll man bei solcher Bezahlung für manuelle Arbeitskraft in der modernen Konsumgesellschaft überleben?
Wir wissen es nicht und verlassen das Land, ohne das Rätsel gelöst zu haben... 
   

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