Montag, 28. März 2016

Geisterstädte eines wüsten Krieges - Humberstone & Santa Laura

Als sie gegründet wurden, wurde peruanische Erde durchwühlt, nach dem „Salpeterkrieg“ 1879-83 durften sich die Chilenen über den Exportschlager „Felsensalz“ oder Nitrat freuen. 
   
So richtig lukrativ machte dies ein britischer Ingenieur namens James Humberstone – er erfand ein neues System, den stickstoffhaltigen Guano (Vogelmist) zu gewinnen und in Dünger und den Sprengstoffbestandteil Salpeter umzuwandeln.
   
Seine Mine “Humberstone“ und das benachbarte Santa Laura waren Großproduzenten für Europa. Allein in Humberstone lebten tausende Menschen mitten in der wasser- und vegetationslosen Atacamawüste.
Der europäische Kofrontationskurs zu Beginn des 20. Jh. war das größe Geschäft: Der Geist des Krieges ließ den Salpeterabsatz hochschnellen - ohne Munition keine Drohgebärden....
Und um ein Haar wäre der "Große Krieg" 1914 schon nach ein paar Wochen zu Ende gewesen: Die Entente hat die chilenischen Salpeterlieferungen an Deutschland unterbunden – und damit wäre dem Wilhelm das Schießpulver ausgegangen. Aber leider, leider hat ein Chemiker eine alternative Produktionsmöglichkeit gefunden. Der Gleiche hat damit auch Düngemittel vom chilenischen Salpeter unabhängig gemacht.
   
Also – auch leider, leider für Chile, dem Salpeter-Export wurde durch dieses „Ammoniak-Synthese“ genannte Verfahren arge Konkurrenz gemacht – und in den 1930-er Jahren waren viele der 3700 Arbeitskräfte arbeitslos. Der Geist des Krieges hat späte Folgen in der Ferne gezeitigt...
30 weitere Jahre wurde in den Minen noch geschuftet, dann kam das endgültige Aus. In der Zwischenzeit gab es nicht nur eine Schule, ein Hotel und ein Hospital, sondern auch Kino und Pool.
   
   
All das und die beiden Werke und die dazugehörigen Orte wurden 1960/61 stillgelegt – und der staubtrockenen Atacama überlassen. Metall hielt sich dort recht gut. Holzbalken wurden aber andernorts gebraucht, daher waren bald viele Gebäude der Geisterstädchen in der Wüste einsturzgefährdet.
   
Heutzutage sind beide Orte mitsamt den Salpeterwerken und den Eisenbahnfuhrparks „gefährdetes Weltkulturerbe“...
   
Völlig selbständig darf man sich auf den weitläufigen Arealen bewegen, wer irgendwo hineinfällt/durchbricht/etwas auf den Kopf fällt – offenbar selbst schuld, vorher denken. Ich mag solche Industrieruinen, die uns um ein Jahrhundert zurückversetzen und gleichzeitig zum Nachdenken und zum Träumen einladen. Zum Photographieren sowieso...