Sonntag, 13. März 2016

zwischen Dinos und Disney – Ischigualasto

Einige Regentropfen begleiten uns in die Wüste, Ausläufer der Regenzeit weiter nordwärts. Nach dem Besuch des Schreins der Difunta Correa – dort durfte ich mein erstes Fernsehinterview auf Spanisch geben – bewegen wir ins dem nordwestlichen „Ausgang“ Argentiniens zu.

Schon mehrmals in Patagonien sind wir über Saurierskulpturen gestolpert, haben Sauriermuseen nicht beachtet und Dino-Fundstellen nicht angefahren. Obwohl es hier die ältesten, größten und bösesten Saurier gab. (die Amerikaner im Südwesten sind nur besser im Marketing...).
Und das kam so: Durch Kontinantalverschiebung entstand im Süden des heutigen Südamerika ein immergrünes Paradies für Pflanzenfresser. Diese wurden immer größer. Zu groß für Raubsaurier. Also legten auch die an Größe und Masse zu. Mehr Größe schützte dann wieder die potentiellen Opfer. Der Wettlauf war gestartet. Und als alles durch den Meteoriteneinschag endete, waren die größten Tiere hier schon bei rund vierzig Meter Länge und 80 Tonnen Lebendgewicht.

 

Mehr zu diesen Funden aus 2014 gibt es hier:





Wir begeben uns nun auch ins Dinoland. Sowohl der Regionalpark Ischigualasto als auch der benachbarte Nationalpark Talampaya sind wichtige Fundorte. Die Knochen wurden in Sedimenten gut behütet und schwemmen erst jetzt wieder aus. Ein Paradies für Forscher. Und für Kreative, die Plastikdinofiguren schaffen. Und für Geschäftstüchtige, die das alles vermarkten.

In Ischigualasto angekommen, fühlen wir uns bei der Ankunft mit Sonnenuntergang gleich wohl. Freundlicher Empfang, Ruhe und ein relativ geschützter, einfacher Campingplatz.
Eine Fahrzeugkolonne formiert sich gegen 9 Uhr, dann soll es gemeinsam losgehen zu den Sehenswürdigkeiten des Parks. Ein Tal voller Felskugeln, gewagte Felstürmchen, Fossilien, bunte Gesteine - bröselig wie getrocknetes Grieskoch – und natürlich Saurierknochen stehen am Fahrplan des Konvois, begleitet von einem Parkranger.

 
So ist Argentinien: Aus der Abfahrt um neun wird dreiviertelzehn, die Ticketmaschine funktioniert nicht, es kommt immer noch wer dazu und wozu sollte man sich beeilen? Des besseren Lichtes wegen. Jedenfalls ist die dreistündige Mittags-Rundfahrt fotografisch nicht sehr ergiebig. 
  

Auch das ist Argentinien:
 „Ihr wollt an der Abendtour auch teilnehmen? Gut passt, kostet nix, seid um 17 Uhr hier!“ - „ Oh, ihr habt die Dinoausgrabung schon gesehen? - Allein wollt ihr zu den tollen Felsen weiter fahren? Hm, na gut, adelante! Zweimal links abbiegen – und immer auf dem Weg bleiben!“
So kommen wir trotz theoretischem Gruppenzwang zu einem herrlichen, einsamen Abendsonnenerlebnis in den nunmehr tiefrot und goldgelb schimmernden Felsen...



 Und dann wäre da noch Talampaya. Noch mehr rote Felswände, kuriose Steintürme und riesige Saurierreste. Wir sehen uns den Prospekt an, dann einander – und wissen: das is´ nix für uns.

Beim Parkeingang wird man von Riesenplastik-Dinos empfangen – angeblich wackeln sie mit dem Kopf. Einfahrt durch den offensichtlich beeindruckenden roten Canyon nur im Minibus oder Spaßmobil auf organisierter Tour zu unverschämtem Preis. Wir erfahren hier im Regionalpark, dass der Betrieb im Nationalpark an eine britische (?) Firma verpachtet worden ist...

Irgendwo rechts, zwischen den Felsen müssen die tollen Felsen von Talampaya liegen. Wir fahren vorbei und trösten uns damit, dass es bei Wolken und Nieseln wohl nicht so toll rot ist wie wir es gestern Abend im Regionalpark erlebt haben …
Über den seit kurzem asphaltierten Cueva de Miranda (landschaftlich toll, fahrerisch keine Herausforderung mehr...) folgen wir der Ruta 40, Salta entgegen.

PS: Im Gespräch mit einem Parkranger erfahren wir, dass es seit einer Dekade in der Region wesentlich mehr Niederschlag gibt – so dass etwa das berühmte „Mondtal“ schon einigen Pflanzen genug Wasser bietet. Angewandter Klimawandel...