Montag, 21. März 2016

um zwei Uhr morgens bei Tolar Grande …

Walter – unsere Campingbekanntschaft von Salta hat uns dieses Gebiet ans Herz gelegt: Los Colorados vor dem Ort Tolar Grande. Und unbedingt die längere Strecke über den rund 4600m hohen Pass nehmen – landschaftlich toll.
Das stimmt. Ebenso richtig ist seine Einschätzung, dass wir über den Salar (Salzpfanne) und die anschließende Steppe mit fast 100km/h drüberfliegen können.  
Und dann sehen wir rot. Schroffe Grate, sanfte Hügel, trockene Flußbetten, Sanddünen. Alles rot, bis zum Horizont. Die Sonne sinkt tiefer, wir kurven auf abenteuerlicher Strecke durch die rote Welt. Wir sind auf knapp 4000m, Wind kommt auf, es wird richtig kühl.       
Wir stehen mit offenen Mündern auf einem roten Sandhaufen und wissen in dieser Formenpracht in allen Rot- und Ockertönen gar nicht, wohin zuerst zu schauen (Gaby meint: wohin zuerst zu fotografieren..).Ein geschützter Schlafplatz ist da leider nicht ins Auge.
Schließlich stellen wir uns an einem weiten Trockental einfach an den Straßenrand, genießen Sternenhimmel und absolute Ruhe und verkriechen uns in den Schlafwagen. Da passiert uns das erste Auto, das wir heute zu Gesicht bekommen. Ein zweites folgt – aha, hier herrscht Nachtverkehr. „Gute Nacht!“
   
Trotz der Höhe schlafen wir recht gut, besonders ich. Gaby stupst mich an: Da ist ein Auto stehen geblieben – und kurz darauf hören wir Stimmen. Schritte kommen näher. „Gendarmaria Argentina! Passkontrolle!“ „Hallo, ich komme gleich!“, verflixt, wo ist meine Hose. „Einen Moment bitte!“ Wirklich Polizei? Wer sonst?
Ich krieche aus dem Auto, Gaby informiert mich gähnend: „Es ist gerade zwei Uhr.“ Draußen stehen drei Uniformierte. Sie leuchten mich an, aber auch in die eigenen Gesichter zur Erkennung. Sehr höflich, freundliche, bestimmte Stimmen. Ich reiche die Passkopien, die wir vorne mitführen. „Aber das sind Fotokopien, wo sind die echten?“ Ich deute - wohl ziemlich müde dreinschauend – aufs Wageninnere: „Tief unten im Safe“. Der Chef nickt verständnisvoll. Ich reiche das Fahrzeugeinfuhrdokument hinüber – das gefällt ihm und genügt, um uns als legal im Land Befindliche zu qualifizieren. „Ja, hier im Grenzgebiet suchen wir immer nach illegalen Einwanderern.“ Europanachrichten-Flashback.

Die drei salutieren, wünschen „Buenas Noches“ und verschwinden in der Dunkelheit. Gaby meint: „Keinen Moment hab´ ich Angst gehabt, eigentlich hab´ich geglaubt, da bleibt wer stehen, um zu fragen, ob wir Hilfe brauchen...“ Ruhiges Weiterschlafen, wir wissen uns nun gut beschützt.