Samstag, 21. November 2015

auf der Lagunenroute

Das Ufer des Salzsees ist gefroren. Die ersten Sonnenstrahlen blinzeln über die Vulkanreihe. Die Maschine schnurrt. Kaum Wind, wunderbar! Dick vermummt in Daunenjacken (ja, ja, Gaby denkt an alles beim Einpacken!) frühstücken wir, dann ist der Motor warm, es kann losgehen.

 
Eigentlich kann man sich nicht verfahren, es gibt zwar unzählige Spuren und Varianten, aber sie führen alle dem gleichen Ziel entgegen. Zunächst ist dies für uns der markante Steinbaum, ein skurril geformter, erodierter Fels in einem Stück Sandwüste.



Unterwegs treffen wir auf entgegenkommende Landcruiser voller Touristen, wir sind offenbar auf der „Hauptstraße“ zurück. Das Wellblech ist bei einigen Anstiegen grauenhaft. Unregelmäßig, tief und voll mit Felsbrocken – ich kann nicht die Geschwindigkeit fahren, mit der man über die Schotterrippen“fliegt“ . Wir sind uns einig: unangenehmere Pistenverhältnisse haben wir weder in Afrika noch in Australien erlebt. Unser Schlafwagen wird richtig gefordert, malträtiert, immer wieder hört man das Ächzen des Chassis...

Wir sind nicht die einzigen beim „Arbol de Piedra“, aber um diese Tageszeit sind wir offenbar die einzigen, die südwärts - Richtung Chile - unterwegs sind. Immerhin können wir uns von den einheimischen Fahrern Tipps holen, welche Streckenvariante landschaftlich schöner ist oder weniger schlecht zu befahren.


In einer beeindruckenden, spannend zu fahrenden Quebrada (Canyon), gerade mal breit genug für ein Fahrzeug, springt ein Tier über die Felsen. Wenig schüchtern, nähert sich die rund 40cm große Hasenmaus unserem Auto bis auf wenige Meter und sieht uns interessiert an. Sehr neugierig, dieser Verwandte des Chinchilla...

 

Mittags ist die Laguna Colorada erreicht. Der Wind hat zugelegt, es ist ungemütlich im Freien. Das rostige Rot des Wassers, verstärkt durch die weiße Salzkruste rundherum, ist von Flamingos gesprenkelt. Deren Rosa korreliert gar nicht gut mit der Wasserfarbe, hier haben die Designer versagt.

Schranke. Zahlen. 150 Bolivianos pro Person. Wir erreichen das Naturschutzgebiet, das sich nun bis zur chilenischen Grenze erstreckt. Gleichzeitig markiert die Lagune die Hälfte der Strecke. Es geht voran. Der Park Ranger erklärt uns die ungefähren Zeitaufwand für einzelne Streckenabschnitte und macht uns Hoffnung, dass die Piste irgendwann besser wird...

Der Wind ist inzwischen so heftig, dass man draußen fast nicht mehr aufrecht stehen kann. Richtiger Sturm, gewürzt mit Staub, Steinchen und Salzkristallen. Das stichelt auf der Haut... Fotografieren ist schwierig.

Trotzdem erklimme ich (im relativen Windschatten) einen kleinen Gipfel für den Überblick über die beeindruckende Lagunenlandschaft. Gaby bleibt im Auto, sie klagt über Kreuzschmerzen und außerdem hat sie (trotz unserer guten Anpassungszeit) Schwierigkeiten mit der Höhe weit jenseits der 4000m.
Trotzdem muss sie weiter in die Höhe: Der Paso Sol de Manana liegt auf rund 5000m. Gleich hinter der Passhöhe finden wir das höchstgelegene Thermalfeld der Erde. Der Geysir macht sich schlank, angesichts des Sturms bleibt die Wasserdampfsäule in Bodennähe. Aber blubbernde Schlammpfützen, dampfende Wasserlöcher und gelbgraue, nach Schwefel riechende Morastfelder vermitteln ausreichend, dass hier enger Kontakt zum heißen Erdinneren besteht...

 
 
Angesichts des Sturms lassen wir den Plan, hier in knapp 5000m zu nächtigen, fallen und fahren noch rund 25km zu heißen Thermalquellen – wo es eine Unterkunft gibt. Oder gäbe, denn leider waren andere schneller. Nach einigem Plaudern wird uns schließlich ein Quartier im Neubau angeboten: blanke Ziegel rundherum und ein Blechdach drüber – was soll´s, das paßt schon, es stehen ja sogar zwei Betten im Raum. Wir holen unsere Schlafsäcke und freuen uns auf windgeschützen Schlaf.

Ich steh bei Sonnenaufgang auf, verzichte auf ein heißes Thermalbad (bei minus 5 Grad rauszukommen, das ist die Überwindung!)´und fahre zum Geysir zurück. Da die Piste seit der Passhöhe präpariert ist, sind die 25km fast ein Kinderspiel. Angesichts der Höhe qualmt der Motor in schwarz-weiß und hat nicht mehr die volle Leistung, aber alles funktioniert problemlos.


 Überraschung: Ich bin nicht der Erste dort oben, da sind schon ein paar Landcruiser mit Touristen zwischen den dampfenden Säulen unterwegs. Kaum Wind, sehr kalt und Morgensonne ergeben eine gute Basis für den optimalen Genuss diese phantastischen Naturschauspiels. Das wissen die einheimischen Guides natürlich nur zu gut...

Trotzdem: Wow! Ich spüre die Erde arbeiten – während Gaby noch im Bett Kopf- und Kreuzweh bekämpft.
Nach einer intensiven Stunde am „Sol de Manana“ frühstücken wir und nehemn den letzten Teil der Strecke in Angriff. Diese hat aber ihren Schrecken verloren, denn die Piste ist in guten Zustand, dafür donnern LKW an uns vorüber: offenbar wurde da eine Mine eröffnet oder – wie ich vermute – versucht man, die Energie des Erdinneren im Thermalfeld anzuzapfen...

Abschließender Höhepunkt der bolivianischen Lagunenroute ist die Laguna Verde, die mit ihrem sanften Türkis heute eher zurückhaltend ist. Dies liegt wohl auch am Wind, der das Wasser aufwühlt und auch verhindert, dass sich der imposante Vulkan im Wasser spiegelt. 


Ein paar Kilometer noch, einen Kanister Diesel habe ich vorsorglich in den Tank geleert, dann sind wir am Grenzposten. Freundlicher Abschied aus Bolivien, wir kommen sicher wieder!

Chile. Asphalt. Geschafft. War viel weniger abenteurlich oder gefährlich als wir geglaubt haben. Und landschaftlich durften wir wirklich wunderbare Eindrücke sammeln.


Aber jetzt haben wir uns ein wenig Erholung in der Tiefe und Wärme verdient. San Pedro de Atacama wartet!

zur Abwechslung ein Guten-Morgen-Selfie. bei Minusgraden am morgendlichen Sol de Manana

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