Freitag, 22. April 2016

Berg- und Marktfahrt, aber keine Talfahrt...

In rund 3000m Seehöhe haben wir zwar ausreichend Sauerstoff für einen guten Schlaf. Da aber ab 6 Uhr morgens die schweren LKW etwa 3 Meter vom Ohr entfernt bergwärts schnaufen, hat sich das Thema Nachtruhe bald erübrigt.
Die Wirtin im einfachen Hostal zaubert ein wunderbares Frühstück auf den Tisch, wir sind bereit für neue Höhenflüge!
Ein Blick durchs Fenster gibt uns einen Dämpfer: Der Himmel hat rasch zugezogen – zur Abwechslung hängen schwarze Regenwolken über uns...
Die Wirtin meint: „Fahrt rauf, der Chimborazo wird zu sehen sein!“ Na gut, man ist ja nur einmal hier...
Durch den Nieselregen bergwärts, an unserem gestrigen Wendepunkt vorbei – und es wird heller, die Wolken reißen auf – der Berg! Ganz kurz zeigt sich der Vulkankegel, ein Appetithappen, sozusagen.
   
Die Wellblechpiste windet sich nun rasch am Berg hinauf, Gaby bemerkt es leider an den Kopfschmerzen, die sich nun stärker einstellen. Auf 4800m ist Schluss. Gaby bleibt beim Refugio, ich nehme die Windjacke und ausreichend Wasser mit und beginne den Weg zur nächsten Schutzhütte.
   
Gerade als ich dort - in rund 5100m - ankomme, öffnet sich der Wattebausch – und der Gipfel mit den umgebenden Gletschern funkelt im Morgenlicht. Ein einheimischer Führer würde mich nun noch 500m höher bringen, bis an den Rand der Gletscher. 
   
Nur zu gerne würde ich das Angebot annehmen, aber ich möchte Gaby nicht zu lange allein lassen, lasse den Gipfel zurück und freue mich, dass meine Reisegefährtin einigermaßen munter vorm Schlafwagen sitzt und liest.
Schade zwar – aber gut auch: wir beschließen einen raschen Abstieg und das „South America Handbook“ gibt uns das Ziel vor: in Guamote ist Markttag!
Dieser unscheinbare Ort ist jeden Donnerstag Anziehungspunkt für die dörfliche Umgebung, farbenfrohe Kleidung und interessante Typen sind garantiert. 
   
 Offen bleibt für uns die Frage nach dem Eisenbahnfahrplan: verkehren donnerstags keine Züge, daher kann der Gleiskörper als Marktplatzteil herhalten – oder ist eben Markttag – und da kann einfach kein Zug fahren?
   Apropos Eisenbahn: in Alausi beginnt die spektakuläre Zugfahrt über die Teufelsnase, den Steilabfall der Anden abwärts Richtung Küste. Im vorigen Jahrtausend war dies eine sensationelle Strecke: am Dach fahrend, für die Einheimischen das preiswerte Verkehrsmittel, eine Erfahrung mitten aus dem ecuadorianischen Alltag. Ich erinnere mich an Erzählungen im Traveller Club Austria...
Heute? Die vielleicht teuersten Bahnkilometer der Welt: 30 $ für 12 Km, bewältigt in einer knappen Stunde. Passagiere sind ausschließlich Touristen, am Dach geht gar nichts mehr... Wir sind uns einig wie (fast) immer: dieses Geld haben wir schon besser angelegt – es warten die Galapagos Inseln auf uns, das hat eine Lawine gekostet...
Wer mehr über diese Zugfahrt lesen möchte, bitte sehr:
http://www.nzz.ch/lebensart/reise/spitzkehren-an-der-teufelsnase-1.18102491