Freitag, 22. April 2016

Vom Hochlandmarkt zum Dschungelzoo: Otavalo - Tena

Tagwache um 5:30. Da durch den gestrigen Zwischenfall unser Zeitplan etwas durcheinander geraten ist, müssen wir früh aufbrechen, um noch frühmorgens zum Viehmarkt in Otavalo zu kommen.
Um acht kommen uns schon widerspenstige Ferkel, teilnahmslose Schafe und ein paar keck dreinschauende Lamas entgegen. Auf der anderen Seite der Leinen sind Männer in derber Arbeitskleidung oder Frauen, meist in bunter Tracht.
   
Mit wissender Hand werden die Meerschweinchen an der Taille abgetastet, ob sie eh fett genug sind, auch Geschlechtstests werden gemacht. Hühner verschwinden ebenso in großen Säcken wie junge Gänse. Viel zu junge Katzen- und Hundebabies warten auf neue Besitzer, strahlende Kinderaugen, ein Hase in den Armen. 
   
280 Dollar für eine ausgewachsene Sau, 40 für ein süßes Ferkel. Ein Schaf kostet um die 60 Dollar. „Cuy“, also Meerschweinchen, werden um 6 $ angeboten.
Während der Viehmarkt im Laufe des Vormittags verschwindet – es wird rasch heiß und die Tiere, die den Besitzer wechselten, werden abtransportiert – scheint die Stadt den ganzen Samstag lang im Markttreiben zu versinken. Hier gib´s alles, was des Ecuadorianers Herz begehrt – und was Touristen gern kaufen. Auch Gaby findet einige wirklich schöne Handarbeiten. Und weil es so bunt und vielfältig ist, muss man beim Fotografieren aufpassen, dass man nicht zu viel in ein Bild hineinpackt.
Wir besuchen insgesamt vier Märkte – und fühlen uns dann am frühen Nachmittag ziemlich erschöpft.
Also rein ins Auto und ab in die Tiefe. In Tena, am Rande des Amazonasbeckens, wartet ein Freund auf uns. Erich – mit dem wir bei seiner Südamerikaankunft in Chile ein paar Tage lang gereist sind - arbeitet hier als Voluntär in der Bildung und Ausbildung von begabten Jugendlichen aus dem „Oriente“, den ecuadorianischen Amazonasprovinzen.
Zunächst über einen 4000-er Pass, dann steil hinunter. Eine spektakuläre Schlucht, mehr Wald, mehr Regen – also mehr REGENWALD. Ein paar Erdrutsche auf der Straße überwinden wir, die Scheiben laufen trotz Gebläse an, wir nähern uns dem Dschungel. 
Der Reiseführer schreibt: Im Amazonasbecken gibt es zwei Jahreszeiten: Die große Regenzeit von Ende Februar bis September und die kleine Regenzeit von Oktober bis Februar. Luftfeuchtigkeit: 95 – 100%, Niederschlag: 2000 – 4000mm pro Jahr. In Wien braucht man fast ein Jahrzehnt für diese Regenmenge.
Wir kommen erst in der Dunkelheit in Tena an, finden das Haus in der Straße ohne Namen aber trotzdem.
Und am nächsten Tag geht es gleich weiter: Eine Partnerorganisation von Erichs NGO betreibt im Dschungel, eine Autostunde und eine weitere Kanustunde ostwärts eine Tierauswilderungsstation. Wildtiere aus illegalem Handel, konfiszierte oder aufgefundene Tiere sind hier untergebracht und man bemüht sich, diese in einem anschließenden Schutzgebiet freizulassen. Gerade als wir das Boot besteigen, kommt der erste Regenguss des Tages - so wird das Amazonastiefland zum authentischen Feuchterlebnis.
Hochmotiviert stapfen die Pekaris (südamerikanische Wildschweine) durch den Morast. Zwei Tapire liegen faul am Wasserloch... Interessanterweise sind aber viele Tiere aus dem Regenwald eher wasserscheu. Die Vögel hocken unter Blättern, die Affen in ihren Verschlägen und selbst Kaimane bleiben im schlammigen Wasserbett statt eine frische Dusche zu genießen. 
   
Nur die Katzen sind aktiv! Schon mal was von einem „Jaguarundi“ gehört? Auf deutsch heißt sie „Wieselkatze“, ist in der der Familie der Pumas beheimatet, zwar recht weit verbreitet, doch kaum zu sehen wenig erforscht. Hier in „Amazoonica“ dürfen wir uns sogar an zwei Jungtieren im Regen erfreuen! Auch ein Ozelotpaar lässt sich durch den Regen nicht am Spielen hindern...

   
Ein kleine „Tour de Gatsch“ durch die dichte und auch im Regen farbenfrohe Vegetation bringt uns durch den Dschungel – dank des Regens mit nur mäßig vielen Stechmücken! - und zurück an den Rio Napa, wo wir uns nach geraumer Wartezeit mit einem Motorlangboot zum Auto zurück verfügen.
Wer mehr über diese Auffangstation wissen möchte, als Voluntär hier arbeiten oder eine Spende leisten möchte, hier ist der Einstieg:
http://www.amazoonicorescuecenter.com/#!home/g6oo1