Samstag, 2. April 2016

Peruaner und der Autoverkehr - völlig losgelöst…

... von der Idee des geregelten Straßenverkehrs bewegt man sich auf der Panamerica Sur zwischen Ica und Pisco. Für uns war dieses Stück Straße ein Überlebenskampf, wie wir erst einmal, in Pakistan, ausgefochten haben...

Grundsätzlich fährt jeder, wie es gerade beliebt und hat zwei Wundermittel parat: Hupe und Warnblinkanlage. Es dürfte eine beinahe religiöse Komponente haben – aber offenbar gibt es den Glauben, dass die Hupe Zusammenstöße verhindert. Ebenso sicher sind Peruaner, dass das Betätigen der Warnblinkanlage zum sofortigen Stopp an jedem beliebigen Punkt auf der Straße legitimiert. Um das Recht permanent zu wahren, schalten einige die Blinker gar nicht erst ab. Was im langsamen Stadtverkehr noch beherrschbar scheint, wird auf der Überlandstraße bei 100km/h zum „va banque Spiel“.
Für den mobilen Peruaner besteht die Straße nicht nur aus den Fahrstreifen. Sollte der Gegenverkehr zu massiv sein, so bietet sich das Bankett, befestigt oder unbefestigt, im Ortsgebiet oder freiland, als rechte Alternative an. Die Funktion von Verkehrsschildern scheint unbekannt. Die Polizei steht dem machtlos gegenüber, denn trotz massiver Präsenz am Straßenrand werden Regeln und Ordnungshüter einfach ignoriert. Im Prinzip gibt es für den Lenker nur zwei Gründe langsam zu werden: Ein „Lomo“, also ein massiver Betonhöcker quer über die Fahrbahn oder man ist am Ziel angelangt.
Freilich könnte man diesen Zustand auch als die ultimative Emanzipation von Zwängen verstehen. Uns ist es aber unverständlich: Nach zwei Wochen im Land sind uns nur freundliche Menschen, rücksichtsvoll und höflich begegnet. Wer sitzt denn da in den Autos?

PS: Fahren in Perus Städten ist zwar auch wie das Eintauchen in eine mobile Wunderwelt – aber es geht mit einer Geschwindigkeit, die jedem noch die Chance zur Reaktion oder Flucht bietet. (Dies vor allem, weil der Peruaner Spezialist im in-die-Kreuzung-fahren-und-alles-blockieren ist)
Überland sieht es da leider anders aus...

PPS: Ich bitte um Verständins dafür, dass es von den haarsträubenden Szenen und den Unfällen keine Bilder gibt. Aber in diesen Momenten war ich eher intensiv mit dem Verkehrsgeschehen beschäftigt...