Mittwoch, 21. Oktober 2015

Che Guevara – auch ein guter Roter?


Vallegrande. Von hier gingen die Fotos um die Welt. Der Guerillaführer ist erlegt. Im Spital wurde seine Leiche der Weltpresse vorgeführt. Dann wurde der Leichnam verscharrt. Nur keinen Märtyrer schaffen!
Das war im Oktober 1967. 30 Jahre später konnte der Leichnam des linken Idealisten gefunden werden, er liegt jetzt in einem Mausoleum auf Kuba. Die Gedenkstätte hinter den Baracken des Flughafens ist verschlossen.

Vor uns liegen rund 60km heftige Piste, man geht von 3 Stunden Fahrzeit aus. Das Tagesziel ist La Higuera, wo die Söldnertruppe Che Guevaras für den Umsturz in Bolivien trainiert hat.
Eine falsche Abzweigung – und 20 km weiter sehen wir die erste Person, die wir fragen können und den Irrtum aufklärt. Alles retour. Erst in der Finsternis kommen wir in dem winzigen Nest an, finden problemlos die alte Telegrafenstation – wo Franzosen eine gemütliche Unterkunft eingerichtet haben. Für uns gibt es einen schönen Stellplatz im Garten.

Eine Halbtageswanderung führt uns in die Schlucht hinab, in der der argentinische Revolutionär, der die Welt rot färben wollte, in den Hinterhalt der Armee geraten ist. Auf 2000m Seehöhe gelegen ist dies eine ideale Akklimatisationstour durch trockenes Buschland. Und als wir dann an dem Punkt standen, an dem (vielleicht) der Lauf der Geschichte verändert worden ist, sind wir schon berührt.

 
Für mich war „Che“ doch ein Idol der Jugend, ein unbeugsamer Idealist, der die Menschheit zu einem besseren Leben führen wollte.
Gaby stellt nicht unberechtigt die Frage, wie dieser Idealismus mit dem Töten von anderen Menschen vereinbar ist.

Zurück im Camp ist es vorbei mit der Einsamkeit: eine lautstarke Bikergruppe hat sich eingefunden (die stellen sich im laufe der nächsten Tage aber als recht nett heraus) – und ein schweizer Paar, das für 3 Jahre Sozialarbeit nach Bolivien gekommen ist. Auch sie bleiben für Tage unsere Begleiter und wir erfahren nach einem wunderbaren Dinner im Innenhof beim abendlichen Gespräch einiges über die soziale Situation des Landes...


Der Besuch des Che-Museums in La Higuera ist durchaus berührend. Neben Fotos und Fakten finden wir eine Sammlung von Devotionalien an den großen Linken, dessen Bildnis zu den stärksten Fotos der Geschichte zählt – und offenbar nach wie vor bei vielen Menschen Emotionen hervorruft.




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