Dienstag, 6. Oktober 2015

Fifi – oder: was macht ein Tapir im Swimming Pool?

Wir haben uns auf der Granja El Roble niedergelassen. Das Zimmer, in diesem Fall ein hölzernes Knusperhäuschen, kostet den paraguayanischen „Einheitspreis“ von 150.000 Guaraní (etwa 25 Euro).
Dafür gibt es das Leben einer Farm, ein paar Affen im Käfig, Papageien, Milchkühe und eine asiatische Python in einem viel zu engen Terrarium. Die riesige Kröte in der Küche wird vom Pudel beschnuppert, während die schnelle rosa Zunge Insekten ins Maul bringt. Und zwischen Kinderspielplatz und Fischteich wohnt Fifi, der Tapir. Ganz friedlich, eingezäunt.

Unser Nachmittagsspaziergang führt uns auf die Weide, wo exotische Bäume im herrlichen Nachmittagslicht glänzen, darüber eine zauberhafte Wolkenstimmung. Über die Dämme der Fischteiche laufe ich dem Sonnenuntergang nach, einige schwarze Ratten rennen aufgescheucht in ihre Löcher.

Die Nacht wäre so friedlich, die Luft voller Froschgequake - würde nicht der Sonnenaufgang mit Hahnengeschrei und Entengeschnatter kommentiert.

Das Frühstück steht um 8 Uhr am Tisch, der Hof versucht als Selbstversorger durchzukommen, „aber wir machen keine Religion daraus!“ sagt Peter, der deutsche Auswanderer, der seit 23 jahren in Paraguay lebt. Endlich wieder Brot mit Konsistenz, schmackhafter Schinken und feiner Räucherkäse... Nicht, dass man es braucht. Aber gut, wenn man es bekommt :-)

Peter lackiert ein kleines Butterfass. „Von der deutschen Verwandtschaft. Die haben eigenartige Ansichten über den Entwicklungsstand hier in Paraguay... Wer stellt sich hin und schlägt zwei Stunden Lang Butter...?“ Fifi hat Ausgang und inspiziert die handwerkliche Arbeit ihres Herrn. Die Tapirdame wurde von Peter und Familie als Baby im Hühnerstall einer Farm im Chaco gefunden – dort hatte sie null Überlebenschance. Seither lebt sie mit Familienanschluss in der Nähe von Concepcion und fühlt sich pudelwohl. Sehr wohl. Sie kann die Tür zum Container öffnen und räumt dort manchmal auf. Oder, wie jetzt, sie findet die Autoschläuche zum Baden und will sich unbedingt in einen Schwimmreifen zwängen. Diese Gummischläuche machen riesig Spaß, der Tapir wird immer aktiver. Bis Peter warnt: Geht in Deckung, diese Viecher sind fast blind, wenn sie jetzt losrennt, rennt sie euch über den Haufen!“

Und wie sie rennt! Aber in die andere Richtung – den Weg hinunter, mit einem Riesensatz in einen Fischteich. Eine richtige Wildsau, diese Fifi. Mit einem Satz ist sie heraußen und bevor Peter dazwischenfahren kann paddelt der Tapir da, wo wir uns gestern erfrischt haben: im Swimming Pool!


























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