Montag, 10. August 2015

Antwerpen

Leider haben wir von der Einfahrt in den Hafen von Antwerpen nichts mitbekommen. Aber halb drei in der Früh ist nicht der beste Moment, um das Passieren der riesigen Schleuse in der Scheldemündung zu beobachten.
Beim Frühstück liegen wir schon im Hafen. Auf der einen Seite Grüne Wiese, mit einem Stapel Container und tausenden Fahrzeugen davor, auf der anderen Seite eine typische Hafensilhouette: Kräne wachsen in den Himmel, rauchende Schornsteine, Hochspannungsmasten und endlose Kaianlagen. Wir wir später in der Stadt erfahren, ist Antwerpen nach Rotterdam der zweitgrößte Hafen Europas!

In die Stadt zu gelangen ist nicht einfach, aber der 1. Offizier ruft uns ein großes Taxi zum Schiff. 10.- pro Person kostet die 30km-Fahrt, insgesamt 50 Euro – für eine Strecke …
Von der Stadt sind wir dann einigermaßen enttäuscht: von wegen reiche Stadt, Mittelpunkt des Diamanthandels etc. Es gibt zwar einen wunderbaren Hauptplatz und eine schöne, gotische Kathedrale – der Rest aber wirkt etwas verwahrlost, eine beinahe morbide Stimmung zieht durch die Gassen.
An diesem Sonntagnachmittag wird dies aber durch die Regenbogenparade, hier als Konzertevent zelebriert, konterkariert: ausgelassene Stimmung, kuriose Gestalten, gute Musik. Der altehrwürdige Hauptplatz erbebt in satten Bässen und hohen Stimmen. 




Knapp nach sechs sind wir zurück an Bord, es hat zu regnen begonnen und wir sind doch schon recht müde. Wir treffen nun unsere drei weiteren Passagierkollegen. Ein älteres französisches Paar und einen allein reisenden Südfranzosen – beide mit Land Rover unterwegs.
Ich verstaue die Markise und die Reservekanister im Wageninneren – der 1. Offizier hat gemeint, Antwerpen sei auch nicht anders als Westafrika, wir mögen auf unsere Sachen doch gut aufpassen.
Nach einem spektakulären Abendrot gibt es noch eine Runde Plaudern mit den holländischen Ingenieur, der gerade einen der vier Schiffsgeneratoren serviciert.
Er zeigt uns Videos von „richtigen“ Schiffsmotoren: Die Kolben haben 96cm Durchmesser und eine Hubhöhe von rund 4 Metern!
Da wirkt unser 7-Zylinder-Motor mit 72cm Durchmesser ja fast niedlich dagegen. Ich bin schon auf die Führung durch den Motorraum gespannt!


 

Heute wurden fast alle Container vom Schiffsdeck geholt. Morgen folgt die Beladung. Inzwischen sind mit der Grande Europa und der Grande Togo zwei weitere Grimaldi-Schiffe angekommen. Die Togo ist bis oben hin voll mit alten Autos, die wohl nach Westafrika gebracht werden. Ob unser Deck auch so zugepflastert wird mit Schrottfahrzeugen?



Irgendwann nach 18 Uhr soll es losgehen, da müssen wir zurück am Schiff sein. (Auf Touristen gewartet wird übrigens nicht!)

Das Schiff wird dann unter dem Kommando des bisherigen Ersten Offiziers stehen - der gemütliche alte Kroate ist von Bord gegangen, er meinte, mit 68 Jahren habe er jetzt endgültig genug - es werde dem Kapitän immer mehr Verpflichtungen und Verantwortungen aufgebürdet. Das kennt man doch auch aus anderen Arbeitsbereichen.
Andere Häfen in Europa werden nicht mehr angelaufen, schade, dass Tilbury, der Hafen von London, schon weit in der Themse, vor Hamburg angesteuert worden ist, das hätten wir alle gerne besucht. Aber eine Frachtschiffreise ist eben kein Wunschkonzert...
Somit ist dies hier die letzte Eintragung für eine geraume Zeit, denn wir werden erst wieder in Dakar/Senegal Land sehen und dort hoffentlich einen Internetzugang haben. An Bord jedenfalls ist Internet-Funkstille.

SCHIFF AHOI UND LIEBE GRÜSSE NACH HAUSE UND IN DIE WELT!!!





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