Montag, 24. August 2015

Dakar 2 - auf der Sklaveninsel

Gorée war tatsächlich den Besuch wert und die ganze Sklavengeschichte führt schon zu Demut – wenn so klar zu erkennen ist, wie Europa das Gesicht der Welt verändert hat.
Interessant, dass für diverse US-Präsidenten dieser Ort des ehemaligen Schreckens ein Pflichtbesuch war, wie auch Papst Johannes Paul II. hierher gekommen ist: Er entschuldigte sich bei Afrika für die Untaten, die auch im Namen der Kirche vollbracht worden sind, waren doch viele Missionare involviert.
Heute bemerkt man davon nichts mehr. Geschäftiges Treiben, Kunsthandwerk und Souvenirs soweit das Auge reicht, die Touristen werden es bezahlen...
(Ich erstehe ein Stück Kunst – aus altem Besteck recycled, nach langem Handel um rund 7 Euro – Gaby gefällt´s leider gar nicht)
Die Stimmung ist relaxed, es gibt keine lästigen Händler und auch der eher aufdringlichen Marktfrauen wird man Herr – wenn man will.
Überraschung auf der Festung: Die Insel, die seit 1544 durch die Hände der Portugiesen, Spanier, Holländer gegangen und schließlich in französischen Besitz gelangt ist, trägt Geschütze aus dem 2. Weltkrieg, als man hier Angst vor deutschen Kriegsschiffen gehabt hat.
Nachmittags füllt sich der Inselstrand mit gutgelaunten Einheimischen, Kinder tummeln sich in Strandnähe, die Halbwüchsigen produzieren sich am Anlegesteg, Familien unter dem Sonnenschirm, Kleinkinder buddeln davor im Sand. In Jesolo geht’s nicht anders zu. Gut, hier gibt es mehr Palmen.
Einige der zweigeschossigen, dunkelrot, gelb oder Blau gestrichenen Ziegelhäuser fungieren als Bar, Restaurant oder Café. Eine sanfte Brise macht die Luftfeuchtigkeit erträglich, auch wenn die Sonne hinter den Wolken hervorkommt.
Als wir das Boot um vierzehn Uhr Richtung Dakar nehmen, lassen wir ein beeindruckend interessantes und malerisches Inselchen hinter uns.
Schade, dass Gaby wegen einer starken Verkühlung an Bord bleiben musste.






Am Passierterminal steht nun eine lange Menschenschlange, alle wollen der drückenden Hitze der Großstadt entfliehen und raus nach Gorée. Verständlich.

Ich möchte noch rasch in die Stadt schauen, eintauchen in Afrika quasi. Innerhalb von Sekunden habe ich einen jungen Mann bei mir, der mir zwar einen auf Ebenholz getrimmten Panther verkaufen möchte, aber ebenso bereitwillig zum Internet-Café führt.
Was gar nicht so einfach ist – Afrika eben. Die ersten haben keine Verbindung, im zweiten ist der Computer Kaputt, das dritte hat geschlossen. Dann findet man eben ein viertes, da geht alles! Es dauert und kostet Schweiß, aber irgendwann ist man am Ziel - Afrika eben.
Nach dem Blog-Update bin ich überrascht: mein Guide ist immer noch da, der Holzpanther natürlich auch. Ich habe ihm schon zu verstehen gegeben, dass ich den wirklich nicht will und wir haben ja vorher schon über Fussball und ähnliches geplaudert.
Nun packt er die „Masche Nummer 2“ aus: Frau ist herzkrank, sein Baby daheim hungrig und ich so ein netter Mensch. Er bleibt auch immer nett, freundlich und hilfsbereit
Er folgt mir über den Place de la Independence, den wenig attraktiven Stadtkern und geleitet mich über die ziemlich chaotisch genutzten Straßenzüge. Unterwegs gibt freundliches Lächeln, Daumen hoch und nette Aufmerksamkeit, ganz typisch Afrika – auch unter schlechten Lebensbedingungen sind Lebensfreude und Offenheit zu spüren. Ich möcht ja fast das Auto hier entladen und den Senegal und Umgebung entdecken. 
En passant gibt es ein paar Straßenfotos auf der Speicherkarte, mein Schritt beschleunigt sich. Das Leibchen ist völlig durchschwitzt. Um vier soll ich zurück an Bord sein, so gegen 18.00 möchte der Kapitän gerne auslaufen. Der Bursche hat mich rund zwei Stunden durch die Straßen Dakars begleitet, ich habe noch 500 CFA (knapp ein Euro) in der Tasche – als ich ihm diese vor dem Hafeneingang in die Hand drücke, bedankt er sich überschwänglich. Da spüre ich unsere unterschiedlichen Lebenswege ganz deutlich.









Ohne Bürokratie, nur mit einem freundlichen Blick auf meine Passkopie und das Begleitpapier von der Grimaldi-Agentur geht es durch die Kontrolle, für die letzten 100 Meter durch Containerschluchten zur Schiffsrampe muss ich eine Leuchtweste anziehen, den Helm trage ich lieber, anstatt ihn aufzusetzen.
Kaum an Bord fallen paar Regentropfen. Gutes Timing.
Die Sonne verschwindet nach 20 Uhr, wir legen gerade ab. Kaum ein Licht erhellt die Großstadt, auch Gorée liegt ziemlich im Dunkeln.
Vor uns die schwarze Nacht, die Himmel deutet Regen an.
Gegen Mitternacht, bei meinem letzten Deckbesuch für heute, bietet das gewaltige Wetterleuchten über der Küste ein imposantes Schauspiel.
Die „Grande Brasile“ pflügt durch die schwarze See, ein gleichmäßiges Klappern und Vibrieren an Bord schläfert ein...


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