Dienstag, 22. September 2015

Bei Fatima

Dienstag, 15. September.
Volltanken, der Diesel kostet statt beinahe 2 Euro nun nicht einmal 90 Eurocent. Klingt schon besser... Geld mit meiner Bankomatkarte spendet der Automat in der Banco do Brasil. 500 Reales rückt er raus (etwa 125 Euro), die Sehnsucht nach 1000 Reales ist der Maschine zuviel.
Rasch bemerken wir, dass man auf Brasiliens Straßen rasch weiterkommt – es aber mit Augenmaß tun soll. Die Überlandgeschwindigkeitsvorschrift liegt bei 80km/h. Ein Witz, bei dem guten Asphalt. Aber es gibt Radarfallen, laserbewaffnete Polizei und das gelegentliche Schlagloch.
Hauptstraße mit Sojafabrik - und überall rote Erde
An den wichtigen Straßenkreuzungen (also so alle 100km) befinden sich große Tankstellen, angeschlossen stets eine Werkstatt (brauchen wir nicht) und ein Restaurant (gern, für den Kaffee).
Da wir am frühen Nachmittag über 30 Grad im Schatten haben, sind wir für den klimatisierten Gastraum dankbar. Hier spricht uns ein Mann nach dem woher an, er kann ein wenig französisch. „Österreich? Ah, viele Immigranten!“ Wir kommen wohl sogar hier in den Weltnachrichten vor.
Im nächsten Ort, in Jaguari, kennt er den Besitzer des schönen Hotels, wir sollen uns für die Nacht doch dorthin verfügen... Ich sehe über uns ein Poster mit nettem Wasserfall und dem Eindruck „Jaguari“ darunter. Ich kombiniere: Das Hotel liegt sicher am Wasserfall!
Aber das hat noch nix mit Fatima zu tun... stimmt, zunächst.
Wir fahren also die rund 50km weiter (einen brasilianischen Katzensprung...) in diesen Ort – und finden in dem aufgeräumten Provinznest auch ein Hotel. Mitten im Zentrum, an der Hauptstraße. Etwas enttäuscht gehen wir zur Rezeption, ich suche einen Wasserfall. Dort kennt man keinen Wasserfall.
Eine Dame mischt sich ein, ihre Mischung aus portugiesisch, spanisch und englisch macht die Verständigung etwas leichter. „Ach, Sie heißen Peter? Mein Großvater auch, Peter Nagel. Deutsch? Mein Vater ist eine Mischung aus deutsch, russisch und rumänisch, meine Mutter spanisch-portugiesisch. Und ich bin eben Brasilianerin!
Nein, jetzt in der Trockenzeit gibt es keinen Wasserfall und auch sonst ist er eher schwer zu erreichen. Ein Platz zum Campieren?
Mhhh? Ja, doch am Fluß, etwas weg von der Hauptstraße...
Ziemlich umständlich erklärt sie uns den Weg, zeichnet den Weg auf, schreibt uns den Namen nieder: Gruta de Nostra Senora de Fatima.
Klingt gut, und den spirituellen Beistand für die Reise können wir uns dort auch holen.

Wir finden den Ort, zwar an der anderen Straßenseite als aufgezeichnet und in völlig anderer Entfernung als erklärt – aber es ist ein wunderbarer Platz für einen entspannenden Tagesausklang.
Zwei, drei Leute kommen für eine kurze Andacht zur Statue der Fatima in der Grotte. Wir haben den Schlafwagen bei den Picknicktischen in Nachtposition gebracht und werkeln noch an der Optimierung der Autoeinrichtung herum.
Fast rituell wird es, als ich die warmen Schlafsäcke in der Dachbox verstaue: wir nähern uns den Tropen...
In den Stromschnellen des Flusses unter uns genieße ich ein sehr erfrischendes Bad und füttere die Gelsen.



Schon vor 19 Uhr wird es rasch dunkel und bald schon umschwirren mich zahlreiche Mücken, angelockt vom Licht des Bildschirms. Also klappe ich diesen nun zu und verabschiede mich zur Nachtruhe bei Fatima!


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