Sonntag, 6. September 2015

Aufbruch in die Neue Welt

Morgens verlassen wir Conakry, Afrika weint. Weil wir es verlassen und nun in die „Neue Welt“ aufbrechen?
Etwa 6 Tage soll die Überfahrt dauern – und alle unsere Freunde waren sehr skeptisch, was diesen Zeitraum betrifft. Da wird einem ja fad – und außerdem schlecht, der Seekrankheit wegen.

Es kam anders: Keine Minute ist es langweilig geworden und Neptun hat Mitleid mit uns gehabt und uns ruhige See gegönnt.

Der Kapitän meinte, frühestens am 27. August, dem Tag vor der geplanten Ankunft in Brasilien, werden wir die Sonne wiedersehen. Gelacht hat sie aber schon am zweiten Tag der Überfahrt vom Himmel und sie blieb unsere Begleiterin.

Ralph, der Messman (Steward), hat inzwischen das Kabinenputzen begonnen zu lernen, zögerlich zwar, aber doch mit Erfolg. Da unseres wie jedes Schiff eine Dreckschleuder ist, liegt am ganzen Deck Russ, der unweigerlich über Schuh und Fuß den Weg in die Kabine findet. Schwarze Fußabdrücke sind am Boden und im Bad daher unvermeidbar. Gelegentlich wird Bettwäsche gewechselt und die Handtücher getauscht, auf Nachfrage händigt er uns sogar Klopapier aus, mit diesem scheint man an Bord etwas geizig zu sein...

Irgendwo in der endlosen Weite, knapp vor dem Äquator zeigt das Schiffslog die magische 5000-Meilen-Distanz von Antwerpen an.


Wahrscheinlich haben wir den saubersten Pool der Welt: Das Wasser wird direkt aus dem Atlantik hochgepumpt, garantiert ohne chemische Zusätze. Erst langsam kommen die Russpartikel ins Wasser. Dafür wird es jeden 2. Tag neu eingelassen. Schwimmen, sonnenbaden, plaudern, die Offiziere neugierig ausfragen (die das geduldig und freundlich über sich ergehen lassen. Besonders während der nächtlichen Brückenwache sind sie für Unterhaltung dankbar!), lesen (Isabell Allendes „Geisterhaus“ als Südamerika-Einstimmung), spielen und Fitness (Stepper, Fahrrad- und Ruderergometer), da bleibt keine Zeit für Fadesse. Zusatzspaß gibt es dann immer ab fünf: die dienstfreie Filippino-Crew versammelt sich zum Basketballmatch an Deck (seit Conacry sind ja keine störenden Altautos mehr an Deck).



 Dieses Reaktionsspiel sollte jede Nationalmannschaft als Trainingslager buchen: Das in den Wellen (langsam) rollende Schiff erfordert für einen präzisen Wurf viel Gefühl und oft wandert der Korb einfach aus der geplanten Wurfkurve. Das Stahldeck wird gegen Abend feucht und rutschig wie ein Eislaufplatz. Dafür spielen alle mit viel Einsatz und in Flip-Flops bis es dunkel wird. Verletzte gab´s keine, aber immer einige amüsierte Zuschauer.

An Bord ist der Überschusskalorienabbau unbedingt notwendig, denn der Koch hat nach schwachen Beginn stark zugelegt und es mundet meist hervorragend. Nur das Dessert lässt zu wünschen übrig: grüne Apfel, eher sauer, sind nicht in permanenter Passiergunst. Da loben wir uns den Sonntag: dann steht eine 3-Literpackung Eis am Buffet!!

Weitere Abwechslung bietet die Äquatortaufe, aber das ist ein eigenes Kapitel.

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