Sonntag, 27. September 2015

Kraft des Wassers

Reisepässe herzeigen, man wird genau notiert. Auto draußen parken, rein kommen wir nur zu Fuß. Im klimatisierten Glas-Beton-Palast läuft schon die Beamer-Vorführung. Ein Prestigeprojekt, das diese Region Südamerikas verändert hat. 
In den 70-er Jahren beschlossen, in den 80-er Jahren erbaut, liefert es seither mehr Strom als jedes andere Kraftwerk der Welt: Itaipu. 

 Dieser brasilianisch-paraguayanische Riesenstaudamm produziert über drei Viertel des Stromverbrauchs im kleineren Land und deckt ein Fünftel des Stromverbrauchs Brasiliens ab. Die Leistung entspricht 14 deutschen Atomkraftwerken, wenn sie nicht eingemottet sind. Schon zwei der insgesamt 20 Turbinen haben den Wasserdurchlauf der Iguassufälle, sagt Wikipedia. (https://de.wikipedia.org/wiki/Itaip%C3%BA)
Das klingt fantastisch gut und umweltfreundlich, hat aber auch ein paar Haken: Das Wetter verändert sich in der Region, es wird heißer. Rund 60.000 Menschen sind entwurzelt worden, vor allem Indios vom Stamm der Guarani.

Nach dem Werbevideo werden wir in einen Bus verfrachtet und am Mirador geraten wir wirklich ins Staunen. Das sieht tatsächlich seeeehr groß aus. Der Durchmesser eines Fallrohres ist 20m, eine Turbine misst 16m. Jede Menge Superlative rundherum...



„Gibt es einen Campingplatz hier in der Gegend?“ Unser Guide bei der Kraftwerksrundfahrt verneint. Auf der Landkarte sind mehrere kleine Naturschutzgebiete eingezeichnet, da können wir hoffentlich übernachten. 8Km weiter heißt es: „Buenos tardes, wollt ihr hier campieren?“  „

Ja, das ist unsere Idee!“ „Kein Problem, aber, sorry, ohne Autorisation von der Itaipu-Betreiber-Gesellschaft darf ich euch nicht reinlassen!“

Wir fahren die 8km auf guter Straße zurück, dort sitzt unser Guide wieder. Ja, dort gibt es einen Campingplatz, aber eben nicht hier. Unproblematisch – Pass herzeigen, eintragen, Erlaubnis dreifach kopiert in die Hand gedrückt – erhalten wir die Autorisation und düsen zum Bio-Park. Gerade rechtzeitig mit der Dämmerung kommen wir an und während wir das Abendessen vorbereiten sind wir Gelsenfutter. Wir haben eine sehr schöne Stelle mit eigener Feuerstelle und Wasseranschluss, Licht gibt’s auch - weil Strom hat es ja jede Menge in der Gegend hier...
Das Beste daran: Die Kraftwerksbetreibergesellschaft verlangt keinen Cent dafür!
Hier treffen wir das bayrische Paar Mark & Claudia mit einem silberroten Magirus-LKW, Ausbau in Eigenregie. Das abendliche Zusammensitzen kostet zwei Weinflaschen das Leben, dafür schwärmen sie sehr von Südbrasilien und es steht der Plan, morgen Abend gemeinsam das Dammspektakel anzusehen.

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