Sonntag, 27. September 2015

Symphonie in Wasser und Beton



Tati Yupi entpuppt sich als kompaktes Ausflugsziel vor allem für Schulklassen, aber auch groß genug, um ein paar kleine Wanderungen im Rest des „Atlantischen Regenwaldes“ zu unternehmen.
Abgestorbene Baumgiganten erinnern an die Überflutung durch den Stausee, die Wurzeln und Stämme machen sich aber optisch recht gut.


Ein kleiner Wasserfall spielt den Kontrapunkt zu Iguassu.



Meine Mittagsruhezeit wird gestört. Ein recht üppiger schwarzweißer Waran wagt sich an meinen Sessel heran. Als ich die Kamera zücke, dreht er ab. Im Bogen umgehe ich ihn, möchte ihn von vorne ablichten. Das möchte aber das Urviech, etwa 70cm lang, nicht. Mit unglaublicher Beschleunigung schießt er auf mich zu, die aufgeblasenen Backen lassen ihn noch größer erscheinen. Erst ganz knapp vor mir bremst er sich ein, seine schwarzen Augen lassen lesen: „Was is´ Kleiner?“
Mein Herz pumpert ordentlich, auch Gaby hat einen Schreck bekommen, langsam und organisiert trete ich den Rückzug an. So ein Waranbiss ist wahrscheinlich nicht angenehm...
Das Wetter hält aus, wir sind daher auch für die nächsten Tage optimistisch und fahren in die Stadt um bei der ITAIPU-Zentrale die nächste Genehmigung zu holen, nämlich für Camping in einem anderen, einsamen Bio-Reservat.

Zeit gerecht mit der Dämmerung sind wir wieder beim Touristen-Sammelplatz, treffen Mark und Claudia und schauen, was uns beim Freitag-Abend-Damm-Licht-Spektakel erwartet.
Zunächst eine Live-Band, die dem Songcontest der 50-er Jahre entsprungen wirkt. Volksmusik auf elektrisch, dazu eine Gruppe von Uru-Urlaubern, die die Zeit mit flotten Tänzen nutzen.
Wir können es nicht glauben: insgesamt setzten sich 15 vollbesetzte Reisebusse in Bewegung, um über den Damm auf die brasilianische Seite zu fahren und Touristen aus Südamerika, Bayern und Niederösterreich beim Aussichtspunkt auszuspucken. Die Spannung steigt, es ist noch dunkel. 

Nach dem Infovideo beginnt die Show: Klassische Musik, ein paar hektische grüne Scheinwerfer blinken an der Staumauer, von links nach rechts beginnt die Betonwand in gleißend weißem Licht zu strahlen, ein paar Hochspannungsmasten in Blautönen. Nach 5 Minuten ist der Zirkus vorbei. Durchaus eindrücklich, was wir sehen – aber der ganze Aufwand für so kurze Zeit? Ein wenig mehr hätte den Herrschaften da schon einfallen können!



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